Wir haben geredet

Am 17. April schrieb ich hier in meinem Blog einen offenen Brief an den Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZDFH). Hier nachzulesen. Ich begann den Brief mit den Worten “Ich glaube wir müssen reden”.

Diesen Dienstag (18. Juni 2019) war es soweit und wir haben geredet. Ich bin nach Köln gefahren und wir haben uns in der Zentrale des Büros vom ZDFH getroffen. Dabei hat mich mein Freund und absoluter Branchenkenner Herbert Kötter (4.v.l.) begleitet. Am Gespräch für den ZDFH nahmen Präsident Esser (3.v.l.) und Geschäftsführer Müller (1.v.l.) teil.

Das Gespräch dauerte ein wenig mehr als drei Stunden. Es war emotional und kurzweilig. Vertrauensvoll und professionell. Es war geprägt von “klarer Kante und klaren Worten” auf beiden Seiten – und schaffte es dennoch, dass es allzeit wertschätzend, fair und freundlich geführt wurde.

Ich hatte mich auf das Treffen gefreut, doch hatte ich vorab ein ganz merkwürdiges Gefühl. Eigentlich gehe ich in jedes Meeting und in jedes berufliche Gespräch immer mit einer klar definierten Zielvorgabe. Ich weiß immer was ich ansprechen möchte und habe auch eine Wunschvorstellung von dem was die Person oder Personen sagen und tun müssten, um meine Maximalerwartung zu 100% Erfolg zu erfüllen. Mir hilft diese Technik, da ich bei evtl. aufkommenden Smalltalk nie den roten Faden verliere, und zum anderen am Ende jedes Termins sofort einschätzen kann ob das Treffen erfolgreich verlaufen war – oder nicht.

Ich kenne es gar nicht mehr, einen beruflichen Termin anders vorzubereiten und wahrzunehmen. Das zählt für Mitarbeitergespräche genau so wie für Kundenreklamationen. Für Vorstandssitzungen der Intercoiffure genau so wie beim Interview meiner Gäste für meinen neuen Podcast NUNMALDEUTLICH. Doch bei diesem Treffen war es anders. Völlig anders. Ich hatte kein Ziel und keine Erwartung. Noch am Abend zuvor im Bett fragte ich mich ob dies ein Fehler sei und ob ich nicht doch noch Ziele und Erwartungen formulieren sollte. Ich entschied mich ganz bewusst dagegen. Ich wollte so offen wie möglich ins Gespräch gehen. Keine Erwartung. Kein Ziel. Es gab für alle Seiten ja eigentlich eh nur ein Ziel: Zu reden und die jeweils andere Seite besser zu verstehen. Und ich denke, das ist uns zu einem großen Teil auch gelungen.

Herbert Kötter und ich bekamen ausreichend Zeit und Gelegenheit, Fragen zu stellen und unseren Eindruck mitzuteilen, welchen wir aktuell von unseren politischen Branchenvertretern haben. Offen und geradeaus. Und diese Möglichkeit nutzten wir.

Auf der anderen Seite gewährte man uns auch einen Einblick in die Verbandsarbeit. Es wurde aufgezeigt welche Kräfte an Innungen und Verbänden zerren, welchen gesetzlichen Notwendigkeiten man ausgesetzt ist und welcher finanzielle und gestalterische Spielraum eigentlich realistisch zur Verfügung steht. Ebenso erhielten Herbert und ich Einblick in die aktuelle Zukunftsplanung des ZDFH.

Alle Ausführungen klangen nur äußerst selten wie eine Rechtfertigung alla “Wir würden ja gern aber dürfen nicht.” Nein, sehr viele Erklärungen waren frei von Rechtfertigungen oder Entschuldigungen, sondern es wurde einmal offen die “Ist-Situation” dargestellt. Und ich kann jetzt noch besser verstehen, dass der ZDFH um seine Aufgaben und seine unterschiedlichen Verantwortlichkeiten nicht zu beneiden ist. Seien wir doch mal ehrlich: Die Gesellschaft ist schnell im (ver-)urteilen von Dingen. Doch kennt man alle Hintergründe und Strukturen, und müsste man dann selbst eine Entscheidung treffen, dann weiß ich nicht ob man immer die Lösung wählen würde, die einem beim lesen einer Überschrift oder bei einer Diskussion an der Hotelbar einfällt. Die Welt ist kompliziert – und die Friseurwelt ist es auch.

Ja, Präsident Esser und Herr Müller haben es geschafft, dass ich mehr Verständnis für die komplexe Verbandsarbeit entwickeln konnte. Ich habe jetzt ein deutlich klareres Bild von all dem Druck und den Herausforderungen bekommen, der auf dem ZDFH und auf den Kreishandwerkerschaften, Landesinnungsverbänden & Co liegen. Wie ich es bereits am 17. April schrieb, habe ich ganz viel Respekt und Anerkennung für die vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich ehrenamtlich in Innungen. Prüfungsausschüssen und politischen Debatten engagieren. Ihnen allen gilt mein uneingeschränkter Respekt.

Doch dies alles darf nicht unseren Blick auf die aktuelle Branchensituation vernebeln. Egal was gemacht wurde und wie gut es gemeint war… Es muss besser werden! Viel besser!

Wir haben keine Zeit mehr uns gegenseitig in Vorwürfen und Rechtfertigungen zu verzetteln. Damit meine ich nicht nur unsere politischen Vertreter, sondern auch die zahlreichen Facebook-Gruppen und sonstige Gruppierungen, die in der Vergangenheit mit einer Mischung aus Frust & Freude auf den ZDFH verbal einprügelten. Ich denke es war zwar richtig und wichtig mit aller Deutlichkeit aufzuzeigen wo überall die Probleme liegen, aber jetzt benötigen wir zielorientierte Antworten auf die viele Herausforderungen, die uns alle in dieser Branche belasten. Es muss jetzt auch Schluss sein auf deutsche und europäische Bürokratie zu verweisen. Nicht wenige von uns haben Existenzängste. Jetzt. Heute. Wir benötigen daher kraftvolle, mutige Personen, die glaubhaft, standhaft und vor allem vereinnahmend sich auf den Weg machen diesen wundervollen Beruf wieder zum strahlen zu bringen. In allen Bereichen und Funktionen. Auch in Berlin und auch in Brüssel.

Wie könnte so etwas gelingen? Ich habe mir zur Beantwortung dieser Frage nach meinem Besuch in Köln ein paar Tage Zeit gelassen. Wohlwissend, dass meine Antwort nur subjektiv ausfallen kann und ich sehr realistisch einschätze, dass das was jetzt kommt nicht jedem gefallen wird, möchte ich im zweiten Teil dieses XXL Beitrages einen Lösungsvorschlag nennen.

Ich glaube der ZDFH benötigt dringend ein neues, modernes, auf die Zukunft ausgerichtetes Leitbild. Sollte es bereits eines geben, muss dies hell und klar in die Branche strahlen. Sollte es keines geben, sollte dies schnellstmöglich mit professioneller Unterstützung erstellt werden.

Ein Leitbild ist eine schriftliche Erklärung einer Organisation über ihr Selbstverständnis und ihre Grundprinzipien, also eine Selbstbeschreibung. Es formuliert einen Zielzustand (realistisches Idealbild). Nach innen soll ein Leitbild Orientierung geben und somit handlungsleitend und motivierend für die Organisation als Ganzes sowie auf die einzelnen Mitglieder wirken. Nach außen (Öffentlichkeit, Kunden) soll es deutlich machen, wofür eine Organisation steht. Es ist eine Basis für die Corporate Identity einer Organisation. Ein Leitbild beschreibt die Mission und Vision einer Organisation sowie die angestrebte Organisationskultur.

Quelle: Wikipedia

Na klar benötigen wir eigentlich JETZT Antworten auf die brennenden Fragen bezüglich, Ausbildung, Nachwuchs und Schwarzarbeit. Aber egal was der ZDFH diesbezüglich in der nächster Zeit machen und entscheiden wird, es wird immer den Eindruck eines Flickenteppichs haben. Man versucht es allen irgendwie recht zu machen – und ist somit selbst niemals klar erkennbar und hat kein eigenes Profil.

Damit diese Branche eine nicht mehr gekannte Solidarisierung erfährt, benötigt es ein Leitbild. Wenn jetzt bereits engagierte Innungsmitglieder in selbiger bleiben sollen, benötigt es ein Leitbild. Wenn ganz viele Friseurunternehmerinnen und Unternehmer sich endlich einmal klar zu diesem Beruf und ihrer politischen Vertretung bekennen sollen, benötigt es ein Leitbild. Eine Leitbild für die deutsche Friseurbranche mit klaren Zielvorgaben. Eine Leitbild mit klaren Werten – die dann auch konsequent gelebt werden. Eine Leitbild, welches die Friseure, die Unternehmer, die Industrie und die Politik vereint.

Natürlich kostet die Entwicklung eines ambitionierten und professionellen Leitbildes Zeit und Geld. Beides ist nur knapp vorhanden. Aber ich sehe keine realistische Alternative. Um zukünftig und nachhaltig WIRKLICH Veränderungen und Verbesserungen zu erzielen, muss es dem ZDFH gelingen eine neue Begeisterungswelle in der deutschen Friseurszene zu entfachen. Die Mitgliedszahlen müssen dramatisch steigen. Doch nur wenn der Rahmen passt und die Hausaufgaben gemacht sind, werde ich, und werden sicherlich sehr viele Kolleginnen und Kollegen, wieder in die Innungen eintreten und sich aktiv oder passiv (mit ihren Beiträgen) einbringen und Solidarität leben.

Ich weiß es wäre viel leichter, wenn viele Friseure schon mal jetzt gleich den Innungen beitreten und sich somit die finanzielle Lage verbessert und der politische Einfluss steigt. Ist klar. Aber wir wollen doch ehrlich miteinander sein, oder? Ist das realistisch? Nein. Damit das geschieht, muss jetzt von Seiten des ZDFH und von den vielen Innungen und Verbänden erst einmal geliefert werden. Es muss ein klares Signal ausgehen, dass man moderne Pläne und Ziele für die Zukunft hat. Und dies ist aus meiner ganz persönlichen Überzeugung am besten möglich, wenn man sich selbst ein klares Leitbild erstellt.

Ich möchte mich bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die sich den ganzen Text jetzt durchgelesen haben. Ich habe am selbigen zwei Tage gesessen.

Ich möchte mich auch noch einmal bei Dir Herbert für Deine Unterstützung bedanken. Das war ein toller Montagabend bei Salat und Wasser. Ich habe mir heute auch das Buch von Dr. Andreas Michalsen gekauft 🙂

Danke auch noch einmal an Herrn Esser und Herrn Müller für die Einladung und die Gastfreundschaft. Ich weiß Ihre Einladung und Ihre Offenheit während unseren Gespräches sehr zu schätzen. Das war nicht selbstverständlich. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft viel Kraft und alles erdenklich Gute.

Herzlichst – Lars Nicolaisen

PS: Für diesen Beitrag ist die Kommentarfunktion geöffnet. Ich freue mich über Eure Gedanken und Meinungen.

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Joerg Mueller
21. Juni 2019 11:30

Lieber Herr Nicolaisen,

Nochmals vielen Dank für Ihren Besuch und den offenen Dialog.
Kommunikation ist alles und immer Beginn einer neuen Entwicklung. Lassen Sie uns also im Gespräch bleiben.

Mit den Feldern Berufsbildung, Tarif- und Sozialpolitik sowie Fachliches hat der ZV seine Markenkerne definiert.

Ihr Anstoß für ein neues Leitbild halte ich deshalb für mehr als konsequent und richtig.

Ihr Input ist auch hier willkommen!

Beste Grüße und auf bald,
Jörg Müller
Zentralverband Friseurhandwerk

Antworten
Christian Funk
26. Juni 2019 10:09

Hallo, ich war in meinem Brief an den ZDFH nicht ganz so freundlich wie Du lieber Lars, anschließend bezeichnete man Kritiker aus den sozialen Netzwerken als “Populisten”! Was mir dann wiederum ziemlich deutlich gezeigt hat, wie mit Kritik umgegangen wird!

Ich habe in meinem Schreiben einzelne Personen aus dem Führungsstab als Arrogant bezeichnet – dies ist nun einmal meine persönliche (subjektive) Meinung, wie ich diese Personen damals kennengelernt haben! Diese Meinung wird von sehr vielen Personen (auch aus den Verbänden) wohl ähnlich wahrgenommen, zumindest bekam ich sehr viel Zuspruch für meine Worte! Über 25000 Leser und unzählige Kommentare und Meinungen sollten aufhorchen lassen. Die Aussage, das Kritiker die sich in den sozialen Netzwerken über die Arbeit in den Verbänden aufregen und womöglich Kritik äußern, Populisten sind, empfinde ich genauso arrogant, wie ich auch die Personen die diese Aussagen treffen oder stützen, finde.

Denn anders als Du lieber Lars, bin ich Mitglied meiner Innung und setzte mich im Ehrenamt für unseren Beruf ein, sprich ich bin zahlender Unterstützer der sich auch noch ehrenamtlich für seine Innung und als Prüfer und Dozent in der Meisterschule und auch anderweitig für unseren Beruf stark macht! Deswegen hätte ich zumindest erwartet, das sich ein Verband der Kritik eines Innungsmitglieds, das nun schon seit 22 Jahren im Ehrenamt tätig ist – mindestens genauso offen zeigt, wie einem Vorstandmitglieds der Intercoiffure!

Ich habe übrigens nur diese einzige persönliche Kritik geäußert, ansonsten habe ich viel Kritik von Kollegen, die aus Innungen, Verbänden aber auch aus den sozialen Netzwerken stammen, in meinem Schreiben weiter- und wiedergegeben die die Verbandarbeit angehen!
Hier ein Auszug:
(kurze Zusammenfassung aus den vielen Nachrichten und Kommentaren)

Außenwirkung:
Innungen, Landesinnungsverbände, aber am wichtigsten der Zentralverband sollten nach Meinung vieler, eine intensivierte Öffentlichkeitsarbeit ausbauen – auch in den sozialen Netzwerken ein Sprach- und Informationsrohr bieten und auch auf Fragen eingehen, damit Kollegen erfahren und verstehen, wie wichtig es ist, ihre Innungen zu unterstützen! So erwarten wir eine Stärkung der Verbände und Innungen, auch wenn die Kollegen persönlich nicht sofort etwas davon haben!

Meisterpflicht:
Ein „weichgespülter“ Meistertitel, dessen Niveau stark gesenkt wurde, ist keine Aufwertung, sondern bewirkt genau das Gegenteil! Außerdem gehört der große Befähigungsnachweis rigoroser angewendet und die Einhaltung nachhaltiger überprüft! Auch empfinden die meisten Kollegen die jetzige Situation, dass ein frisch ausgelernter Geselle ohne jegliche Berufserfahrung, den Meistertitel innerhalb weniger Monate erlangen kann, als einen der größten Missstände in unserem Beruf! Praktisch ist es möglich, dass ein 17-jähriges Kind seinen Meister machen kann!

Ein Hauptthema auf Innungsversammlungen und Gesprächen mit Kollegen in den sozialen Medien, aber auch in persönlichen Gesprächen, sind die aus dem Boden schießenden und den Friseurmarkt überflutenden billigen Barber Salons mit reichlich fragwürdigen Verbindungen und Geschäftspraktiken. Diese wirken sich ausgesprochen negativ auf das Ansehen des Friseurstandes aus.
Der Friseur ist heute nahezu zu einer Schmiddelbranche verkommen, die mehr mit Schwarzgeld, Geldwäsche, Drogen und Prostitutionsmilieu zu tun hat, als mit Schönheit und Ästhetik.

Marketing für Friseure:
Wir brauchen öffentliche Kampagnen von professionellen Werbestrategen, in denen der Friseurberuf in ein anderes Licht gesetzt wird, weg vom Billig, Billiglohn und hin zu Qualität und vernünftigen Preisleitungssituationen.

Das neue Bachelor-Studium wiederum verfehlt in diesem Zusammenhang sein Ziel, denn so rekrutieren wir keine neuen Mitarbeiter und Nachwuchs für die Praxis – sondern erschaffen Kollegen, die sich dann eh lieber selbständig machen, da würde die Aufwertung des Meisters mehr bringen!

Auch muss in diesen öffentlichen Werbekampagnen klargestellt werden, dass auch wir Friseure das Recht und -in Verantwortung für unsere Mitarbeiter- sogar die Pflicht haben, die gleichen Stundenverrechnungssätze wie andere Handwerker verlangen zu können und zu müssen! Dabei haben wir allen Beteiligten klar zu machen, dass dieser Beruf hohen Wert besitzt, und dass hier genau so viel verdient werden kann, wie in anderen Handwerksberufen!

wenn Marketing, dann bitte nicht diese Peinlichkeiten – die ungewollt komisch – eher schädlich wirken!

Beim Löten eine Schutzbrille und gleichzeitig den heißen Lötkolben anfassen? Wir Können das?

Beim Zentralverband scheitert es bisher z.B. an einer adäquaten Website, die Technisch wie auch optisch unprofessionell und bieder wirkt. Kaum wird über die Arbeit von Innungen, Verbänden und des Zentralverbandes gesprochen und diskutiert. Das wird, wie in meinem Brief angesprochen, auch weiter dazu führen, dass der Großteil der Kollegen nicht in Innungen eintreten und Nochmitglieder demnächst austreten werden! Was man aber auf der Seite findet, sind bieder und ungewollt komischen Werbekampagnen – wer auch immer sich diese ausgedacht oder genehmigt hat!

Ausbildung:
Das Konzept „duale Ausbildung“ hört sich ja hochtrabend an, es hat jedoch keinen Effekt, wenn keiner mehr ausbildet und/oder eben keiner mehr diesen schönen Beruf erlernen möchte. Ein „Bachelor of Arts“ ändert nach Meinung der meisten Kollegen, mit denen ich darüber gesprochen habe, in keiner Weise diese Problematik! Die Ausbildungsrahmen-bedingen gehören dringend und umfangreich reformiert und aufgewertet! Der Beruf muss mit intensiven Kampagnen wieder attraktiv gemacht werden. Die jungen Menschen müssen aus ihrer Realität abgeholt werden. Dies gelingt nicht mit Jahrzehnte alten Phrasen!

Tariflöhne:
Es ist durchaus positiv zu bewerten, dass es nun vermehrt wieder allgemeinverbindliche Tarife gibt. Dieser Effekt verpufft allerdings leicht, wenn diese in den meisten Bezirken nur knapp über dem Mindestlohn liegen. Ich denke, hier gehen wir sicherlich konform? Es ist mir und anderen Kollegen natürlich klar, dass man frisch ausgelernten Mitarbeitern keine horrend hohen Löhne zahlen kann. Die Lohnstufen 1-3 sind nicht wie früher nach Gesellenjahren geregelt, sondern nach Qualifikation. Jedoch ohne dass es hier realistische Parameter gibt! So kann jeder Unternehmer praktisch selbst entscheiden, in welche Lohngruppe die Mitarbeiter einsortiert werden! Das führt dazu, dass es Mitarbeiter gibt, die nach über zwanzig Berufsjahren immer noch nach Lohnstufe 1 bezahlt werden! Ein möglicher Lösungsansatz wäre hier, die ersten drei Lohnstufen wieder nach Gesellenjahren zu berechnen und höhere Lohnstufen dann nach klar definierten Qualifikationen einzugrenzen. So wird vermieden, dass Mitarbeiter über Jahre und Jahrzehnte sogar laut Tarifvertrag ausgebeutet werden.

Preisniveau:
Friseurunternehmern sollte eine Kalkulationspflicht auferlegt werden! Das Thema Betriebswirtschaft muss auch viel deutlicher in Berufs- und Meisterschulen und vor allem in einem viel größeren und intensiveren Umfang vermittelt werden! Es darf nicht passieren, dass ein Gewerk mit Unternehmern, von denen 70-80 Prozent kaum betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse besitzen, durch vollkommen unrealistische Preis-,Lohn- und Gewinnschätzungen, in den Ruin geführt wird. Zumindest sollte es wie in Bayern eine Pflicht geben, dass der Unternehmer seinen Mitarbeitern jährlich darlegen muss, wie viel er leisten muss und ab welcher Leistung er mehr verdienen kann! Diese Verpflichtung ist nicht ohne ausreichende Kalkulation zu erfüllen.

Kleinunternehmerregelung:
Dieses Thema ist bekannt, sollte aber durch Veröffentlichungen und mehr Informationen in den Fokus gerückt werden. Eine solche Diskussion könnte ja vielleicht sogar “neue” und auch von der Politik akzeptierte Lösungsansätze für diese Problematik aufzeigen.

Aber die Antwort, die mich damals einzig und alleine über das Onlinemagazin FMFM erreichte, konnte ich keine Annahme oder eine Auseinandersetzung mit diesen Kritiken entnehmen, ganz im Gegenteil, wurde es so ausgedrückt, dass doch eigentlich alles total OK ist in unserem Beruf!

Nun meine Frage an Dich, was hat dieses Gespräch nun wirklich gebracht? Was glaubst Du was die Führungsebene dieses Zentralverbands nun über Deine Kritik und Deine Ansichten denkt und glaubst Du wirklich, das sich hier nun irgendetwas in eine von UNS gewünschte und stark erhoffte Richtung verändern wird!?

Ich habe damals ein solches 4-6 Augen Gespräch abgelehnt und den Verband aufgefordert und gebeten, sich mit mir und Vertretern aus den sozialen Netzwerken, aus Innungen, aus Verbänden und auch aus den Riegen der Intercoiffure, zu einem “positiven” und lösungsorientierten Arbeitsgespräch am Rondtable zu treffen, denn ich habe aus solch einen Meinungsaustausch ohne Öffentlichkeit und ohne andere Meinungen und Ideen (also unter 4-6 Augen) , keinerlei Nutzen erkennen können!

Ich erhielt nicht mal eine Antwort. Ich wurde indirekt als Populist bezeichnet und mein Empfinden, das diese Personen arrogant zu zahlenden Mitgliedern sind, hat sich für mich hier nur bestätigt!

Antworten
Ralf Steinhoff
26. Juni 2019 11:20

Lieber Lars, vielen Dank an Dich und Herbert für Euer wertvolles Engagement. Was denke ich zu dem Ganzen? Hm, ein Leitbild halte ich auch für sehr wichtig, nur wer erarbeitet es? Vielleicht sollte man die Idee von Christian Funk aufgreifen und eine Art “runden Tisch” einberufen. Denn ein Leitbild sollte im Konsens mit allen Beteiligten erstellt werden. Wenn es wieder nur aus dem Verband kommt, dann wird es inhaltlich (vielleicht) und von der Akzeptanz (sicher) her schwierig.

Ich bin jetzt einfach auch mal populistisch: Anstatt sich vielen Kriegsschauplätzen abzuarbeiten (mit wirklich überschaubaren Ergebnissen – siehe Bachelor-Studiengang) sollte man lieber SOFORT mit einem Thema beginnen, und das ist – es wird keinen wundern, dass das jetzt von mir kommt – das vermaledeite Schwarzgeld! Es ist das Grundübel, die Wurzel all dessen, worüber wir reden.

Wenn der Ausweg für alle Marktteilnehmer aus wirtschaftlichen Problemen eben nicht mehr der illegale Griff in die Kasse ist (egal in welcher Betriebsgröße), die illegale Beschäftigung von MA, der schwarzgeldgetriebene Gang in das Alleinunternehmertum, dann werden sicher die gerechteren Marktbedingungen, der Druck zu seriösem Management Wunder wirken… …und einen Turbo für die Imagekampagnen der Branche einschalten. Ich bin jetzt mal ganz populistisch: “Investitionen, qualifizierte Aus- und Weiterbildung statt Böller”!

Das Ganze sollte als Kodex der Steuerehrlichkeit formuliert werden, dem sich jeder anschließen kann. Eine Imagekampagne, die das Land noch nicht gesehen hat. Mit einer Aufklärungskampagne zu Preisen, ehrlicher Kalkulation und dem sehr populären Thema “Nachhaltigkeit”. Denn Schwarzgeldmacherei ist alles andere als nachhaltig. “Figaros for Future”! Lasst es uns hemdsärmelig, einfach und vor allem schnell machen: Die Schwarzgeldmacherei auf allen Ebenen mit allen Ausprägungen muss an den Pranger, die Branche muss sich säubern. Und zwar publikumswirksam! Ohne mit dem Finger auf Barbershops oder Kleinstunternehmen zu zeigen. Ganz ehrlich: Wer nimmt uns denn da ernst? Mit dieser Kampagne geht notwendigerweise eine Professionalisierung einher. Nun sagen Mutti und Vati auch nicht mehr “NEIN”, wenn das Kind Friseur werden will. Das ist engpasskonzentrierte Strategie: Dort den Hebel betätigen, wo es am meisten bringt. Und jetzt können alle über mich herfallen…

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