„Mehr Geld im Portmonee“. Wie wir mit der reduzierten MwSt in den Salons umgehen

Gestern wurde vom Bundestag und Bundesrat beschlossen, die Mehrwertsteuer (MwSt) für ein halbes Jahr von 19% auf 16% zu senken. Ja, auch der niedrigere Steuersatz wird von 7% auf 5% gesenkt, spielt jedoch bei meinem heutigen Beitrag keine Rolle, da dies mit der Friseurbranche nichts zu tun hat. Heute konzentriere ich mich ausschließlich um die erstgenannte Senkung und möchte meine Gedanken hierzu mitteilen.

Einer unserer Unternehmenswerte lautet „hanseatisch“. Dies könnte man auch mit „ehrlich, transparent und klar“ beschreiben. Daher habe ich mir heute sehr gern die Zeit genommen zu erklären, warum wir ab morgen keine 1:1 Preissenkung mitmachen werden und welche attraktiven Vorteile wir unseren Gästen stattdessen anbieten. Für diesen Beitrag sollte man sich ein paar Minuten Zeit einplanen, ich denke die könnten sich lohnen 😉

Als die große Koalition Anfang Juni ein über 100 Milliarden schweres Konjunkturpaket ankündigte, waren die ersten Reaktion sehr positiv. Einer der unerwarteten und somit spektakulärsten Ankündigungen war die Senkung der MwSt für sechs Monate, beginnend am 1. Juli und endend am 31. Dezember 2020. Seit dem wird viel über die Sinnhaftigkeit und die Alltags-Umsetzung diskutiert. Werden jetzt wirklich alle Preise auf Waren und Dienstleistungen günstiger? Wird wirklich weniger Miete abgezogen? Wird mein Netflix-Abo günstiger? Wird mein Fitness-Club wirklich den Monatsbeitrag senken? Und was passiert in Deutschland am 1. Januar 2021, wenn alle vorab gesenkten Preise wieder teurer werden? Wissen tut dies keiner. Wir werden alle in ein paar Wochen und Monaten schlauer sein. Die Grundidee empfinde ich jedoch tendenziell richtig und positiv. Beim konsumieren „mehr Geld im Portmonee“ zu behalten, ist in diesen schwierigen Zeiten für ganz viele Menschen wichtig. Da nehme ich mich gar nicht aus. Auch ich ganz persönlich bin von der Corona-Krise erfasst und freue mich, wenn ich in den kommenden sechs Monaten ein wenig Geld bei Alltagseinkäufen einsparen könnte. Insofern unterstütze ich die Idee der Bundesregierung voll und ganz und empfinde diese Entscheidung der Politiker mutig und richtig.

Dennoch werden wir bei Nicolaisen die Preise auf Dienstleistungen nicht senken. Warum nicht? Das hat mehrere Gründe. Die beiden wichtigsten möchte ich heute darlegen.

Existenzbedrohende Zeiten. Die Corona-Pandemie hat uns voll erwischt. Sechs Wochen geschlossene Salons. Alle an sehr exponierten und somit absolut hochpreisigen Standorten. Von Seiten unserer Vermieter der ECE gab es bis jetzt keine offizielle Stellungnahme, kein Gespräch, keine Lösungsvorschläge. Einzig ein Brief Ende März erreichte mich, in dem mittgeteilt wurde dass die Schließung der Geschäfte bedauerlich sei, die Mieter in Einkaufszentren aber nicht davon befreie, die volle Mietsumme am 1. April und an allen weiteren Monaten zu überweisen. Noch Fragen?

Seit dem Re-Start der Salons Anfang Mai freuen wir uns über eine sehr hohe Kundennachfrage. Das ist großartig! Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ist voll motiviert und alle Teams in allen drei Nicolaisen Salons machen einen phantastischen Job. Das ist wunderbar, aber zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass wir in zwei von drei Salons nur mit begrenzten Bedienplätzen und begrenzter Mitarbeiteranzahl arbeiten können. Als Unternehmer merke ich schon am Abend in der Kasse, ob sechs oder nur drei Stylisten gearbeitet haben. Mitarbeiter sind in Teams aufgeteilt und die allermeisten von ihnen in Kurzarbeit. Statt 40 Stunden arbeiten die meisten Stylisten nur 30 Stunden pro Woche. Am Ende einer Woche sehe ich schon deutlich am Umsatz, ob alle Stylisten 40 oder nur 30 Stunden Leistung erbracht haben.

Bei aller Fröhlichkeit und Leichtigkeit in den Salons, so sind die Zeiten als Unternehmer momentan absolut herausfordernd.

Hoher Kostenaufwand. Kein mir bekanntes Kassensystem für Friseursalons unterscheidet bei Dienstleistungen zwischen Netto- und Bruttobeträgen. Bei Verkaufsware ist dies anders, aber in unserem absoluten Kernbereich, nämlich unseren fachlichen Leistungen, würde somit ein erheblicher Arbeitsaufwand entstehen. EDV, Buchhaltung, Preislisten, Technik ,…. die Umstellung aller Dienstleistungspreise zum 1. Juli (und dann zum 31. Dezember wieder zurück) würde Kosten in einem höheren vierstelligen Bereich verursachen. Dies wollen wir aufgrund der oben beschriebenen Situation natürlich vermeiden.

Diese beiden Gründe sind hauptverantwortlich dafür, dass ich mich nach langer Überlegung dafür entschieden habe, die Mehrwertsteuer-Reduzierung nicht 1:1 an unsere Kunden weiter zu geben. Doch ich meinte es zu Beginn dieses Beitrages absolut ernst, als ich sagte, dass ich die grundsätzliche Idee der Bundesregierung, beim Konsumieren „mehr Geld im Portmonee“ zu behalten, für richtig empfinde. Ich möchte – wir möchten – diese Idee auch bei unseren Kunden aktiv und großzügig unterstützen! Auch unsere Gäste sollen einen positiven Benefit erhalten, wenn Sie uns besuchen und uns ihr Vertrauen schenken.

Wir haben nach Möglichkeiten gesucht unseren Kunden wertschätzende Vorteile zu bieten, ohne dass uns intern zusätzlich bürokratische Kosten entstehen. Heute bin ich froh mitteilen zu können, dass alle Nicolaisen-Kunden bei jedem Salonbesuch vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 die Wahl zwischen zwei sehr attraktiven Vorteilen haben:

EINEN STEMPEL „MEHR“. Bei unseren Gästen ist die „Nicolaisen NIP-Card“ sehr beliebt. Abhängig vom zu bezahlenden Betrag erhalten Kunden Stempel auf unserer „Bonus-Karte“. In der Regel sind es 1-4 Stempel pro Besuch. Bei ganz geringen Beträgen können es 0 Stempel sein, bei besonders aufwändigen Dienstleistungen gibt es sogar 5 Stempel. Ist eine Karte mit 15 Stempeln gefüllt, werden 15,00 Euro vom zu bezahlenden Betrag abgezogen.

Ja, ja, ja – eine „Stempel-Karte“ ist ziemlich „Old School“, aber dieses System ist von vielen unserer Kunden verinnerlicht und erfreut sich großer Beliebtheit.

Im besagten Zeitraum bekommen alle Kunden „einen Stempel mehr“, bedeutet in Extremfällen 1 statt 0, bzw. 6 statt 5 Stempel. Egal ob 0, 1, 2, 3, 4 oder 5 Stempel: vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 gibt es einen Stempel zusätzlich! Die Wirkung ist klar. Die Karte füllt sich deutlich schneller! Der Bonus von 15,00 Euro wird deutlich schneller erreicht und somit haben all diese Kunden einen finanziellen Vorteil.

STATT 3% GEBEN WIR SOGAR 6% BONUS – AUF ALLE VERKAUFSPRODUKTE. Da Verkaufsprodukte von unserer EDV anders erfasst werden und hier Netto- und Bruttopreise auch im Kassensystem klar getrennt sind, können wir die Idee der Bundesregierung hier deutlich einfacher umsetzen. Da wir uns aus den oben genannten Gründen dazu entschlossen haben die Reduzierung der MwSt nicht bei Dienstleistungen anzuwenden, wollen wir bei unseren professionellen und hochwertigen Pflege- und Stylingprodukten jedoch ein deutliches Zeichen setzen! Wir gehen „All-In“ und verdoppeln sogar die von der Bundesregierung erhoffte Preisreduzierung! Vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 reduzieren wir auf alle Verkaufsprodukte die Preise um ganze 6%.

„Eine Stempel mehr“ oder „6% auf Pflege- und Stylingprodukte“. Unsere Kunden haben bei jedem Besuch die Wahl. Entweder „Stempel“ oder „6%“. Cool, oder?

Sollte es Fragen oder Anregungen zu dieser Entscheidung geben, dann freue ich mich über Reaktionen per E-Mail. Schreibt gern an office@nicolaisen-hamburg.de und ich werde mir die Zeit nehmen diese zu beantworten.

Ich denke wir haben somit einen wunderbaren Weg gefunden unsere aktuell anspruchsvolle Situation zu berücksichtigen, hohe bürokratische Kosten zu vermeiden und dennoch jedem Gast bei jedem Besuch einen attraktiven Vorteil zu bieten. Mit diesen Maßnahmen unterstützen wir die Grundidee der Bundesregierung, verhalten uns solidarisch und leisten auch unseren Beitrag, dass alle Nicolaisen-Kunden „mehr Geld im Portmonee“ behalten. Ich bin davon überzeugt, dass der absolut größte Teil unserer Kunden sich über unsere Entscheidungen freut und diesen Weg unterstützt.

Herzlich, Lars Nicolaisen

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