ein-billiger-haarschnitt-gut-fuer-die-kunden-aber-schlecht-fuer-das-handwerk

Lars Nicolaisen:

Am letzten Samstag schrieb ich einen emotionalen Beitrag, in dem ich mir so meine Gedanken über die aktuelle Lidl-Werbung machte. Der Beitrag wurde vielfach gelesen und auf Facebook 5x kommentiert. Den neusten Kommentar habe ich erst jetzt gesehen und ich möchte dazu heute in meinem Blog Stellung nehmen. Frau Karina Bünn schrieb:

“Moin Herr Nicolaisen, immer wenn Sie so sozialkritische Beiträge schreiben, frage ich mich warum sie nicht mal Ihre eigene Branche sozialkritisch hinterfragen. Ich gehe selten zum Friseur, aber wenn dann zu Ihnen, weil es für mich ein Luxus ist bei dem ich mich wohlfühlen möchte. Dazu gehört auch, dass ich demjenigen, der mir die Haare schneidet, gegenüber kein schlechtes Gewissen haben muss, dass er sich wegen mir den Rücken kaputt schuftet und von seinem Gehalt sich und seine drei Kinder kaum über die Runden bekommt. Hier am Hamburgs südlichsten Zipfel gibt es nur Billigfriseure wo Mädels aus einfachen Verhältnissen und viele aus Osteuropa im Akkord schuften und Überstunden am Wochenende schieben, während ihre Kinder allein zu Hause sind. Die trauen sich nicht etwas dagegen zu sagen, weil sie Angst haben völlig ohne Job dazustehen. Die können auch von tollen Haarfärbeworkshops und Weiterbildung nur träumen. Hier in meinem Stadtteil, kosten Friseurdienstleistungen maximal eindrittel von dem was man bei Ihnen bezahlt. Meinem Sohn lasse ich bei einer guten Bekannten, die in so einem Salon arbeitet die Haare schneiden, weil sie es sehr gut kann und sie so toll mit Kindern umgeht. Ich zahle ihr mehr Trinkgeld, als das was ihr Chef für eine halbe Stunde Friseurhandwerk an einem zappelnden Kind plus einfühlsames Zureden und Kinderunterhaltung verlangt. Vielleicht haben Sie dazu ja auch eine so klare Meinung.”

Habe ich. Zunächst jedoch erst einmal vielen Dank Frau Bünn für Ihre Zeit und Ihre Gedanken. Ich weiß Ihre Einstellung sehr zu schätzen und möchte mich dafür auch herzlich bedanken. Ich weiß jedoch nicht, wie lange Sie schon unserem Blog folgen. Ich denke ich habe schon so einige kritische Beiträge bezüglich meiner Branche geschrieben. Jedenfalls brachten einige meiner Aussagen mir in der Vergangenheit nicht nur Freunde unter den Friseuren ein. Wobei, es gibt zum Glück viele Kollegen die recht ähnlich denken wie ich. Zum Glück.

Die Friseurbranche ist krank. Punkt. Die Friseurdienstleistung ist in den Augen der deutschen Endverbraucher anscheinend nicht viel Wert. Und das Image ist beschämend. Haben wir in den 80ern noch über die “Friseusen” Witze gelacht, machte sich die ganze Branche in den 90ern Jahren mit sogenannten Konzept-Salons wie z.B. “Hairkiller” und dem revolutionären Preiskonzept von “Alles 10 Euro” selbst kaputt. Es dauerte keine 20 Jahre und der Markt war komplett am Boden. Heute steht die Friseurbranche vor einem Scherbenhaufen und nur ganz ganz langsam ist eine Trendwende zu erkennen. Beitragen zu einer tendenziell leicht positiven Entwicklung tun z.B. die großen Konzerne wie “Wella”, “Loreal” u.a. die mit Imagekampagne, innovativen Produkten und (besonders wichtig!) intensiven Schulungen dafür sorgen, dass die Qualität in der deutschen Friseurszene wieder steigt. Hier hat Deutschland im Vergleich zu allen anderen westeuropäischen Ländern in den letzten Jahren ebenfalls stark an Boden verloren. Und natürlich hilft hier auch die Einführung eines Mindestlohns, dieser nimmt jetzt zum Glück die Friseurbranche aus der öffentlichen Wahrnehmung eines Billig-Lohn-Berufes.

Aber glauben Sie ja nicht, dass dies unser größtes Problem ist. Das größte Problem meiner Branche ist die “legalisierte Schwarzarbeit”! Von 80.000 Friseursalons in Deutschland geben rund 1/3 aller Salons an unter 17.500 JAHRESUMSATZ (!!) zu liegen. Das bedeutet, dass diese Friseursalons behaupten eine maximale Tageseinnahme von 70 Euro zu erwirtschaften. Ich frage Sie Frau Bünn, wie soll das gehen? Wie will jemand mit 17.500 Jahresumsatz (!) eigentlich seine Miete bezahlen? Und seine Wohnung? Und seinen Lebensunterhalt? Und Mitarbeiter bezahlen? Und Produkte? Und Steuern zahlen? Das ist völlig abartig und komplett unrealistisch! Aber fast jeder dritte Salon gibt das so an. Schauen Sie sich ab jetzt einmal jeden dritten Salon an an dem Sie vorbeikommen….

Warum diese “Kollegen” sich so einstufen? Weil man unter 17.500 Euro nicht Umsatzsteuerpflichtig ist. Und eine ordentliche Buchführung braucht man ebenfalls nicht zu führen. Sprich diese Kollegen haben fast schon eine 100% Garantie, dass sie weder vom Zoll noch vom Finanzamt besucht werden. Dieser Aufwand bei diesen “Kleinstunternehmen” lohnt sich nämlich kaum. Schlau, was? Während wir und zahlreiche andere “große” Kollegen und Filialunternehmen unter ständiger Beobachtung stehen und völlig gläsern sind, mauscheln andere vor sich hin und machen das Image kaputt und sorgen dafür, dass die Branche im großen und ganzen weiterhin kaputt ist. Wie meinen Sie soll man denn einen Haarschnitt oder eine Haarfarbe für 8, 10, 12, 14 oder meinetwegen auch für 20 Euro anbieten können und sich gleichzeitig an Mindestlohngesetze und Steuerehrlichkeit halten? Das ist aus meiner 30 jährigen Berufserfahrung völlig unmöglich! Und von fairen Arbeitsbedingungen, hochwertigen Produkten und Mitarbeiter-Weiterbildungen fange ich am besten erst gar nicht an zu schreiben.

Den schwarzen Peter bekommen von mir die vielen unehrlichen Friseurunternehmer. Jedoch ebenfalls in meinem Fokus liegen Mitarbeiter die sich jeden Monat “schwarz” bezahlen lassen. Es gibt aktuell einen neuen Trend in meiner Branche Mitarbeiter 40 Stunden arbeiten zu lassen, jedoch nur 30 Stunden offiziell anzumelden und dafür die 8,50  Euro zu zahlen. Die restlichen 10 Stunden werden “so” bezahlt. Machen sich die meist jungen Friseure Gedanken über ihre eigene Altersabsicherung? Darüber, dass am Ende der Steuerzahler für diese Vorgehensweise bezahlen darf, weil der Angestellte viel zu wenig Geld in die Sozialkassen eingezahlt hat? Nein. Und glauben Sie mir: Das muss so nicht sein!

Fast jeder Friseursalon sucht gute Mitarbeiter! Es gibt auch in unserer Branche einen absoluten Facharbeitermangel! Und als Friseur braucht man diese unehrlichen Methoden nicht mitmachen! Nur um aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen (evtl. zunächst schlechte Ausbildung, wenig Berufserfahrung, dann nur die Möglichkeit die Dienstleistung “billig” anzubieten) bedarf es auch einer Portion Eigenmotivation! Man muss bereit sein an sich selbst zu arbeiten, nicht stehen zu bleiben und Innovation und neue Techniken trainieren. Man kann und muss Weiterbildungsangebote von Herstellern, Innungen und Verbänden annehmen. Und man muss dienstleistungsoptimiert und kundenorientiert arbeiten können. Das ist kein Hexenwerk, das kann man lernen. Dafür bedarf es auch keiner höheren Schulbildung. Hier geht es um die innere Einstellung. Unsere Mitarbeiter haben diese Einstellung. Alle! Und die Mitarbeiter von vielen tollen Kollegen um uns herum ebenfalls. “Nicolaisen” ist ja keine einsame Insel! Also frage ich mich auch, wieso junge Menschen dieses kaputte System unterstützen. Noch einmal: Hauptschuld haben die Chefs und Unternehmer. Ganz klar! Aber eine Mitschuld haben auch die Angestellten! Und die Kunden die dies mit ihren Besuchen unterstützen. Und der Staat der es überhaupt zulässt, das ein Ladenlokal von der Umsatzsteuer und der ordentlichen Buchführung befreit werden kann. Und der Großhandel der “Messe-Tage” durchführt, an denen Friseure alle Farben, Tönungen & Co in Bar und ohne Karte und Rechnungen kaufen können…

Nichts für ungut Frau Bünn, aber ich muss jetzt langsam wirklich zum Schluss kommen. Nicht nur weil mich dieses Thema schon wieder auf die Palme bringt, sondern weil mir heute früh auch die Zeit wegläuft und ich noch so einige Dinge auf meiner ToDo-Liste habe. Über dieses Thema könnte ich ein ganzes Buch schreiben, da man natürlich für eine ehrliche und faire Aufarbeitung dieses komplexen Themas viele unterschiedliche Facetten und Blickwinkel betrachten muss. Das ist unmöglich in einen Blog zu packen.

Abschließend noch der Hinweis, dass der Friseurberuf leider noch nie ein “Hoch-Lohn-Beruf” war und auch nie werden wird. Wenn ich sehe was Friseure physisch und psychisch täglich leisten, ist das aus meiner Sicht ziemlich ungerecht. Aber den Friseurberuf mit Freude auszuüben heißt auch immer Leidenschaft für Menschen und Mode zu haben. Und wenn man die hat, dann ist dies ein großartiger Beruf mit enormen Spaß-Potenzial! Übrigens: Auch unsere Mitarbeiter erhalten am Ende des Monates weniger Geld als sie es eigentlich verdienen. Und auch ich – wenn ich das hier einmal einbringen darf – verdiene viel zu wenig für das persönliche Risiko welches ich eingehe und für die Arbeitsstunden und den Aufwand den ich betreibe. Wenn ich alle Wochenstunden zusammen zähle an denen ich mich aktiv mit meinem Unternehmen pro 7-Tage-Woche beschäftige (beschäftigen muss!), dann weiß ich gar nicht ob ich auf 8,50 Euro die Stunde komme… Egal, wir werden nicht müde uns weiter zu verbessern, die Leistungen und den Service zu optimieren und einfach immer einen Schritt voraus zu sein. Zum einen zum wohl für unsere Kunden. Aber zum anderen auch um schrittweise die Löhne unserer Mitarbeiter und das eigene Einkommen zu erhöhen. Das ist doch ganz klar! Und ich denke dafür sollte man sich auch nicht schämen. Nur so wird am Ende ein Schuh daraus. Und sollte sich die Situation bei den ehrlich arbeitenden und engagierten Friseuren verbessern, wird das bestimmt nicht zum Schaden der Kunden sein. Versprochen 🙂

Ich wünsche uns allen einen wunderbaren Dienstag.

49 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Vielen Dank, Lars, für den tollen Beitrag! Es ist ein wirkliches “Aufregthema”!!! Danke auch an Frau Bünn! Es muß einfach immer wieder angesprochen werden!
    Doris

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  • Florian Schattat
    24. Februar 2015 14:20

    Wieder ein schöner Beitrag über unsere Branche. Ich lese hier immer gerne.
    Der Absatz mit der Eigen-Motivation hat mir gut gefallen.

    Leider ist es auch dort wieder schwieriger geworden, dass Seminare ab jetzt unter die Sonntagsarbeit fallen. Da Schulungen im Handwerk schon immer Sonntags und Montags gehalten wurden. Da es aber in den “neue” Salon eine 6-Öffnungstage-Woche gibt. Teamschulungen sehr schwer zu mangen sind.

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    • Ganz ehrlich: Ich wundere mich schon seit meinem Berufseintritt 1984 dass in der Friseurbranche Weiterbildungen an freien bzw. Wochenendtagen stattfinden. Natürlich ist das viel einfacher zu organisieren. Aber wenn andere Berufe es hinbekommen dass man sich auch während der Woche weiterbildet, dann müssen das die Friseure auch schaffen. Ich bin da sehr zuversichtlich.

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  • Danke an Lars …….sehr gut verfasst….

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  • Thomas Horinek, Intercoiffure / Bad Vilbel
    24. Februar 2015 15:31

    Perfekt.
    Danke lieber Lars, dass würde ich zu 100% unterschreiben.

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  • Hallo Lars,
    dein Beitrag spiegelt ganz grnau unsere Frisrurwelt wieder…
    Danke

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  • Schön geschrieben Lars und viele Wahrheiten, die allerdings mehr als bekannt sind.
    Nur damit ändert sich nichts.
    Wer könnte die Situation denn wirklich ändern?
    Sicher die, welche die Macht und das Geld dazu haben.
    Verbände, Firmen … na Lars, da warte ich schon lange drauf. Dann mach mal 😉

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    • Ganz schweres Thema. Wie schafft man es, dass unser Handwerk in der breiten Masse der Bevölkerung wieder mehr wert geschätzt wird…. Hmmm, darüber sollte mal jemand ein Buch schreiben 😉

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  • Sehr lesenswert Herr Nicolaisen,

    Teile und Twittere ich sehr gerne.

    Viele Grüße aus Leverkusen
    J.Schmidt

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  • Das spricht mir aus der Seele …..Danke für diesen tollen Beitrag. Ich werde Ihn an unsere Clips Redaktion weiterleiten .
    Liebe Grüsse
    Harald Metz

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  • Sehr schöner Beitrag !
    Bin selbst drittes Lehrjahr als bald Friseur , und hätte gerade den oft physischen druck früher nicht so hoch eingeschätzt . Zum Glück hab ich ne gute Firma . 17500€ Jahresumsatz ? Das ist ja nix wenn ich überlege das unser salon das circa im Monat macht . Ich denke man sollte als Frisuer NIE aufhören stehenzubleiben was Weiterbildung angeht . Hab im ersten Lehrjahr Landesmeisterschaften mitgemacht mit ersten Platz und das ohne groß Zeit zu haben . Wie gesagt sehr schöner Beitrag 🙂 lg

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  • Gudrun Kienzle
    24. Februar 2015 20:32

    Hallo Herr Kollege
    Lars Nicolaisen
    Danke für diesen Beitrag.
    Wir können nun alle die Ärmel hochkremeln und uns an die Arbeit machen unsere Branchen zu retten !
    Wen nicht wir wer dann?
    Ist es die Mühe wert?
    Sie haben doch gute Verbindungen zur Großindustrie ….
    Wir sollten einen Antrag stellen diese verdammte 17500 Umsatzsteuer Grenze zu kappen.es wird höchste Zeit die Komfortzone zu verlassen.
    Also was machen wir?
    Es grüßt eine haarige Kollegin. GK

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  • Michael Weig
    24. Februar 2015 20:45

    Klasse Beitrag Lars,

    Vielen Dank dafür & wenn Du dazu ein Buch schreibst bin ich einer Deiner ersten Abnehmer

    VG aus FFM

    Antworten
  • Sie sprechen mir aus der Seele, in der Kosmetikbranche siehts leider noch viel schlechter aus, den hier haben wir noch nicht einmal ein einheitliches Berufsbild, ganz zu schweigen von den vielen “Pseudokosmetikerinnen” die von diesem Beruf so viel Ahnung haben, wie ich vom Reisanbau in China.

    Antworten
  • Aber die Großindustrie hat doch die € 10,-Salons auf die Welt gebracht. Hairkiller wurde doch auch bei Wella erfunden. Die gleiche Firma die in dem Leitartikel hier so gelobt wurde. Das irritiert schon etwas, oder liegt das an ihren sehr guten Kontakten zur Großindustrie. Irgendetwas passt hier offenbar nicht zusammen. Wie heißt der fromme biebelspruch “der werfe den ersten stein”

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    • Auf diesen Kommentar würde ich herzlich gern antworten, allein es ist nicht der richtige Ort. Das Thema ist deutlich umfangreicher! Nur soviel: Ja, die Industrie hat die damals neuen Konzeptsalons unterstützt, jedoch unter ganz anderen Vorraussetzungen und Prognosen. Das dies heute immer noch getan wird finde ich auch mehr als grenzwertig, jedoch aus Industriesicht kann ich auch Gründe erkennen die dafür sprechen. Am Ende ist es aber gerade den großen Konzernen ja nicht abzusprechen, dass sie gerade in der jüngsten Zeit ebenfalls sehr viel unternehmen um den Markt – und damit auch sich – zu stärken! Oh oh… ich merke da gehen gerade noch so viele Ideen durch meinen Kopf… Ich höre lieber auf, sonst finde ich kein Ende.
      Abschließend: Ich verstehe den kritischen Gedankengang, er ist auch in sich gesehen richtig. Jedoch ist es für mein Empfinden etwas zu kurz gesprungen. Am Ende hat jeder seine Sichtweise und sicherlich ist überall auch etwas wahres daran. Danke für das Feedback!!

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      • Hallo ich mochte sagen, in Italien haben wier di selbe problemen ! Billig friseuren, schwarzarbait, chinesen (in italien zahlen die 3 jahren keine steuer! ) .
        Das alles kann mann mit proffesionele qualitat ,programmierte waiter bildung fur arbaitgeber und personal .
        Ich liebe mein beruf ,und das sollen alle meine kollegen in Europa.

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  • Ich würde als Kundin niemals auf die Idee kommen, einen sogenannten Billigfrisoer aufzusuchen. Ich kriege Kreislauf wenn ich unterwegs so einen Laden sehe. Das weiß man doch dass da was faul ist, wenn angeblich alles 15 Euro kostet. Völlig berufsfremde Personen können per Franchisevertrag einen Billigsalon übernehmen, müssen nicht mal anwesend sein. Ausbildung findet nicht statt. Angelernte schneiden und färben. Ich vermute mal, das wissen viele Leute nicht. Hauptsache es ist billig. Aber wer Internet hat, der kann ja alles nachlesen was es zu diesem Thema gibt. Schwarze Schafe verbergen sich in jeder Berufsbranche, dafür können aber die ehrlichen Betriebe nichts, die ihren Job mit Herz und Verstand erledigen! Und zu diesen ehrlichen Betrieben gehört die ” Nicolaisen Family” 150prozentig. Damit meine ich alle 3 Salons!

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  • Was muss man denn selber verdienen um beim Frisör 80€ lassen zu können. Also wenn ich 2500,- verdiene soll der Frisör gerne 100€ bekommen????

    Antworten
    • Schön, nur geht nicht um Leute die € 2.5 verdienen und davon € 100,- für den Friseur ausgeben. Diese Friseure & Verbraucher sind in der Minderheit. Die größere Zahl der Bevölkerung verdient nun mal deutlich weniger. Können max € 25,- für den Friseur abzwacken. Deshalb muss es anbieter geben die eine vernünftige Leistung zu einem günstigen Preis anbieten. Und sorry mit Vorurteilen. Es gibt viele solche Anbieter die sauber Arbeiten. Das erkennt man eben nicht immer von außen. Vielleicht sparen sie ja an einer hochglanzfassage um ihre Leute gut zu bezahlen.

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      • Wer welches Geld für was abzwacken kann, ist von außen immer schwer zu beurteilen. Ich kann es zumindest nicht. Ist sicherlich auch immer eine Frage der persönlichen Priorität, und da gibt es kein “richtig” oder “falsch”. Und das man auch für deutlich weniger Geld als bei uns einen guten Haarschnitt bekommen kann, stelle ich nicht außer Frage, schließlich ist das “Friseurhandwerk” ja ein “Handwerk” und damit immer sehr individuell. Doch es ging mir beim heutigen Beitrag ja nicht allein um den Preis, sondern um die Wertigkeit.

        Ich sehe.. ich muss mal doch ein 1/4 Jahr Auszeit nehmen und ein Buch schreiben 🙂 Vielen Dank auch für das Feedback!

        Antworten
    • Ich lebe von 400 Euro im Monat nach Abzug aller Fixkosten undbin trotzdem Kundin bei Nicolaisen. Ich habe ein Sparschwein für Frisörbesuche. Wenn man etwas will dann muss man dafür sparen. Und ich möchte ohne Angst zum Frisör gehen können. Diese absolute Sicherheit habe ich SEITDEM ich bei Nicolaisen bin. PUNKT.

      Antworten
    • Ein interessanter Aspekt. Ich werde ihn in nächster Zeit einmal im Blog aufnehmen.

      Antworten
  • Sehr guter Brief lieber Lars.
    Ich hoffe er bringt einige Kollegen zum Nachdenken, oder verursacht wenigstens ein schlechtes Gewissen – bei einigen. Ob es zu einer Sinneswandlung reicht das können wir nur hoffen.
    Aber wie heißt es so schön: “Die Hoffnung stirbt zuletzt”!

    Antworten
  • René Sommer
    25. Februar 2015 11:37

    Lieber Lars
    Wir kennen uns nun schon länger und ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie Du Friseurthemen auf den Punkt bringst. Dieser Artikel wird Dir nicht nur Freunde bringen – aber davon hast Du Dich bis heute nie abschrecken lassen.

    Wir haben in der Schweiz das Problem auf ähnlicher Ebene – nur liegt bei uns die Mehrwertsteueruntergrenze bei CHF 100‘000 im Jahr. Wir führen zwar „nur“ 8% an den Staat ab – das Problem ist trotzdem nicht klein zu reden.

    Ich denke der einzige Weg ist der von Dir beschriebene. Nur mit guter Aus- und Weiterbildung, mit fairen Arbeitsbedingungen, dem guten Umgang mit den Mitarbeitern und einem der Leistung angepassten Lohn werden wir dieses Image auf Dauer wieder los. In der Schweiz haben wir im Moment einen Mindestlohn für ausgebildete Friseure von 3‘700.- CHF (neu ja auch Euro) im Monat. !!!

    Ich bin überzeugt, dass wir diese Löhne auf Dauer nur bezahlen können, wenn wir kräftig in unsere Mitarbeiter investieren und diese dann einen tollen Job im Salon machen. Die Kunden nur „nett“ zu bedienen reicht schon lange nicht mehr. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass die Arbeit im Salon unseren Kunden so viel Wert ist, dass die Mitarbeiter/innen auch fair und angemessen bezahlt werden können. Das ist in der Regel nicht der Fall, wenn ein Haarschnitt 45 Minuten dauert und 10 Euro kostet … – diese Rechnung schaffen selbst Primaner ohne grosse Mühe!

    Schliesslich noch eine kleine Bemerkung zu den „Das ist mir viel zu teuer …“ Kunden: Es gibt Kunden, und das sind in der heutigen Zeit leider nicht wenige, die können sich nicht alle paar Wochen einen exklusiven Friseurbesuch leisten. Damit wir unsere tollen Salon-Leistungen regelmässig erbringen können brauchen wir immer wieder Training. Das dauert dann ein wenig länger und findet an den Randstunden statt – aber dafür gibt’s das Ganze auch in tollen Salons für den kleinen Geldbeutel. Fragen Sie einfach mal nach!
    Beste Grüsse aus Zürich!

    Lars – mach weiter so, Du scheinst auf dem richtigen Weg!

    Antworten
    • Ach Rene, herzlichen Dank für Dein ausführliches Statement. Bei unserem nächsten Treffen werden wir das Thema an der Bar mal vertiefen 🙂 Bis dahin bleib sauber – und sag dem Blatter endlich er soll die Fussball WM 2022 neu vergeben!

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      • René Sommer
        25. Februar 2015 22:43

        Ja der Sepp ist irgenwie taub auf diesem Ohr. Das kommt von seiner Herkunft aus dem Kanton Wallis. Dort steht ja das bekannte Matterhorn und da sind tiefe Schluchten und andere hohe Berge. …. und und und … und zudem haben die doch schon so viel bezahlt … ups 🙂

        Antworten
  • dito,Lars sehr gut

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  • Losert Conny
    25. Februar 2015 13:07

    Da spricht mir Jemand aus der Seele!!!!!!!!Mehr brauche ich dazu nicht mehr zu sagen, denn es wurde alles gesagt. Danke! Darf ich den Artikel auf meiner Facebook Seite teilen?

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  • Klasse Text! Vielen Dank dafür!
    Bei mir in Göttingen hatte ich gerade einen tollen Laden gefunden, wo man als Student 11€ für einen trockenen Männerschnitt bezahlt. Die Atmosphäre ist super gewesen und es hing sogar schon vor dem Mindestlohngesetz ein Plakat “Wir zahlen Mindestlohn! Du auch?”.
    Leider habe ich vor kurzem herausgefunden, dass der Friseursalon geschlossen hat. Wieso weiß ich nicht, aber ich bin auf der Suche nach einem neuen Laden, wo ich nicht nur 7€ für einen Schnitt bezahle, denn da ist völlig klar, dass bei den Angestellten kaum etwas ankommt.

    Antworten
  • Mein grössten Respekt für Sie ! Ich bin seit 30 Jahren selbständig und weiß es sehr zu schätzen dass Sie es neben Ihren Beruf und Verpflichtungen schaffen ,sich mit solchen hochqualifizierten Kommentaren, Gedankengänge und ev. Veränderungen hervorrufen.Ich habe Ihren post geteilt und wiederum sehr viel positive Resonanz erfahren. Ich würde mich sehr freuen Sie persönlich am ICD Stand in Düsseldorf kennenlernen zu dürfen. Vielen Dank !

    Antworten
  • lieber Lars. Dein Blog ist der Hammer. Du sprichst mir so aus der Seele. Morgen Abend habe ich mit dem Lions Club eine Sitzung mit dem HWK Geschäftsführer und der Presse. Darf ich deinen Bericht zitieren und auch Auszüge daraus an unsere Presse weiterleiten? Wir müssen die Öffentlichkeit mehr informieren insbesondere auch da sich die spd Generalsekretärin Frau Fahimi so abfällig über Unternehmer geäußert hat. Liebe Grüße aus Bayreuth. Bis Düsseldorf. Dein Freund Andreas Nuissl

    Antworten
  • Liebe Frau Bünn und Herr Nicolaisen,

    Mit großem Interesse habe ich Ihre Beiträge gelesen. In vielen Dingen muss ich Ihnen Recht geben. Unsere Branche ist am Boden und das traurige dabei ist, die Friseure selbst haben einen großen Anteil an diesem Dilemma. Viele die von Ihnen bereits beschriebenen Faktoren tragen dazu bei. Es ist ein Teufelskreis.
    Die Verdienstmöglichkeiten schrecken junge Leute ab sich in unserem Beruf zu bewerben, von dem Ruf der Branche ganz abgesehen. Der Mensch ist eine Hure hat ein weiser Mann mal gesagt.(Es war mein Ausbilder).Wie Recht er hatte, hab ich erst mit dem Alter realisiert.
    Ist es ein Mann, glauben viele zu wissen welche sexuellen Neigungen und Vorlieben er hat(bestimmt Schwul) und ist es eine Frau, nun ja, in vielen Teilen Deutschlands ist es immer noch die Frisöse. Dazu kommt noch die negativ Presse der letzten Jahre, mit den armen fast vor Hunger sterbenden 10 Euro Friseuren.(entschuldigen Sie den Sarkasmus) Nach diesen Schlagzeilen schämt man sich ja fast zu sagen, das man Friseur ist, weil man diese bemitleidenden und verschämten Blicke nicht mehr erträgt. Sie fragen sich bestimmt, warum ich Ihnen schreibe?
    Ich schreiben Ihnen, weil ich auch mal auf die Zustände die nicht nur in 10 Euro Salons herrschen, aufmerksam machen möchte und weil mich die Passage mit der Eigenmotivation der Mitarbeiter zum schmunzeln gebracht hat. Wie weit geht den die Eigenmotivation?
    Ich erzähle Ihnen eine Geschichte vom Ende meiner Motivation.
    Es war immer mein Traum Friseurin zu werden. Schon im Kindesalter hab habe ich gern, zwar nicht gut aber gern Haare geschnitten. Nach dem Abitur stand für mich fest. Ich werde Friseurin. In einem der renommierten Häusern der Stadt Hamburg, begann ich 2003 meine Ausbildung. Die Sprüche wie “Oh die Dame hat Abitur” standen an der Tagesordnung. Mein Ehrgeiz wurde von vielen belächelt ich schämte mich oft gut zu sein. Mein Chef bestärkte mich die Ausbildung durchzuziehen egal was viele sagten aber es nervte, dieses ständige sich für besser als die anderen sein rechtfertigen zu müssen.
    Nach der Ausbildung wollte ich nicht in meinem Ausbildungssalon bleiben, mein Chef hatte Verständnis, das ich neue Wege ausprobieren wollte und empfahl mich sogar weiter. Ich dachte, es ist die Chance für ein Neuanfang. Wieder fing ich in einem der Häuser der Stadt an. Ich freute mich sehr…. Ich dachte ich hab es geschafft, es war eine Ehre für mich dort anfangen zu dürfen. Jetzt kommen wir zum Punkt! Mein Anfangsgehalt lag bei 1200Euro Brutto für 38 Stunden Woche- Seminarkosten mussten zurück bezahlt werden wenn man die Vertragsdauer nicht erfüllen sollte…Anreisekosten waren selbst zu tragen, sowie Verpflegung und Hotel. Teilnahme war immer Pflicht.
    Düsseldorf – München- Frankfurt- egal, alle Seminare fanden überwiegend an Sonntagen statt -diese wurden natürlich nicht bezahlt. Man sprach von Eigenmotivation-Flexibilität- Dynamik!!!! Ich zitiere” Wenn Sie bei uns arbeiten wollen dann vergessen Sie die normalen Arbeitszeiten von 9-18Uhr, wenn Sie das wollen, dann können Sie bei Uschi um die Ecke arbeiten. Vom Druck immer schlank und gut auszusehen ganz zu schweigen. Haben Sie sich mal gefragt, Warum in solchen Häusern keine molligen oder dicken Menschen arbeiten…Alles was keine Größe 38 hat wird erst gar nicht zum Gespräch eingeladen.
    Das Werkzeug musste immer selbst gekauft werden.
    Jetzt wissen Sie warum es im Salon auf einmal so still wird, wenn man eine Schere auf den Marmorboden fallen hört. Sogar das Schleifen lassen der Scheren wurde nicht übernommen. Überstunden waren auch selbstverständlich …Immer fiel der Satz ” Sie dürfen für uns arbeiten…”
    Sie denken jetzt bestimmt, da schreibt eine die Mal eine schlechte Erfahrung gemacht hat. Nein, den seit 2006 durfte ich drei Häuser in hochpreisigem Segment kennenlernen und es war immer wieder das Selbe.Die Fassade bröckelte schon kurz nach den Versprechungen im Einstellungsgespräch.
    Jeder kann sich selbst ein Urteil dieser Geschichte machen.
    Ich für mich, bin immer noch gerne Friseurin, nur jetzt bin ich soweit, das ich meinen eigenen Weg, einen besseren Weg gehen möchte, ganz ohne den überflüssigen Chichi.
    Ich will einfach nur mit Liebe Haare machen bis ich alt und runzelig werde.
    Zum Schluss würde ich für meine Branche ein paar Sachen wünschen
    1.Bildung
    2.Ordnung
    3. Ausdauer

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes Wochenende

    Lydia

    Antworten

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