NEUES PRÄSIDIUM IM ZENTRALVERBAND GEWÄHLT

Diese Woche könnte eine ereignisreiche Blog-Woche werden. Ich möchte damit beginnen alle Kunden und Freunde über unser neues, internes Karriere-System zu informieren, welches am 1. Dezember bei uns eingeführt wird. Darüber hinaus wird jetzt gleich am Dienstag die Stadt Hamburg neue Corona-Maßnahmen verkünden. Es ist davon auszugehen, dass auch in Kürze für Friseure die 2G Regel greifen wird. Da dies jedoch in vielen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird, bin ich besonders auf das „Kleingedruckte“ gespannt. Meine Einschätzungen werde ich spätestens Mittwoch hier im Blog veröffentlichen.

Doch bevor diese Woche also an Fahrt aufnehmen wird, blicke ich heute einmal kurz zurück auf das Wochenende. Da fand in Köln die Mitgliederversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks statt. Es standen große Neuwahlen an und die Friseurbranche blickte natürlich mit Interesse in die Domstadt, denn dieses neu gewählte Gremium ist unsere stärkste politische Vertretung. An die Spitze wurde mit Manuela Härtelt-Dören erstmalig eine Frau gewählt. Ein tolles Zeichen! Die beiden neuen Stellvertreter und Vizepräsidenten sind Herbert Gassert und Robert Fuhs. Schaut man sich die Kommentare bei Facebook an, so ist die Reaktion gespalten. Die positiven Kommentare sprechen von viel Berufs- und Lebenserfahrung, was gerade jetzt von großer Wichtigkeit ist. Die kritischen Kommentare beklagen eine deutlich zu alte Führung und hadern mit der vertanen Chance, notwendige frische und junge Gedanken in die Führungsebene gebracht zu haben. Ich selbst bin ja Fussballfan. Ich denke in solchen Situation oft an eine Trainer-Legende:

Es gibt keine jungen oder alten Spieler, sondern nur gute oder schlechte.

Otto Rehhagel

Ich wünsche dem neuen Vorstand eine gute Hand, viel Kraft und auch die nötige Überzeugung und Unterstützung, unsere Branche in dieser aus vielerlei Hinsicht so schwierigen Zeit zu führen. Die für mich drei wichtigsten Punkte die jetzt dringend angegangen werden müssen:

  • Kampf gegen die Schwarzarbeit! Dies ist unser größtes Problem. Es ist vielschichtig, denn hier geht es nicht nur darum den Zoll in einige Salons zu schicken. Es müssen politische Leitplanken gezogen werden, um unserer wunderbaren Branche endlich den professionellen Rahmen zu geben den es verdient – und den es für die Zukunft auch dringend benötigt.
  • Ausbildungreform. Mit Herrn Fuhs ist ja ein ausgeschriebener Experte jetzt in die Führung gekommen. Dies muss positiv ausgenutzt werden. Ich wünsche dem Zentralverband den notwendigen Mut für neue Wege. Tabus darf es kaum noch geben, möchte man das duale Ausbildungssystem auch langfristig festigen. Hier ist Eile geboten. Die Ausbildungszahlen brechen dramatisch ein, die Kosten für Ausbildungsplätze in einem Salon explodieren und der gesellschaftliche Wandel macht erst recht nicht vor jungen Menschen halt. Erwartungshaltungen haben sich radikal verändert. Wie lauten unsere Antworten? Und wo wird Berlin bzw. Brüssel in die Pflicht genommen, dass die klassische Ausbildung endlich wieder deutlich mehr an Relevanz und Wertschätzung gegenüber akademischen Laufbahnen erhält? Bafög für Ausbildung? Gibt es nicht. Monatskarten für den ÖPNV gibt es zwar für Studenten, aber nicht für Auszubildende. Diese Beispiele ließen sich noch ewig fortführen. Hier benötigen wir endlich Veränderungen… und zwar jetzt! Weitere Gedanken zum Thema „Ausbildung“ habe ich an diesem Wochenende in einem Interview dem Branchenportal Im Salon mitgeteilt.
  • Stabil durch die Pandemie. Aktuell überschlagen sich die Infektionszahlen und es werden verschärfte Corona-Maßnahmen eingeführt. Natürlich sind dann „körpernahe Dienstleistungen“ wie der Friseurberuf schnell im Fokus der Berichterstattungen. War der Zentralverband zu Beginn der Pandemie noch stark sichtbar und hat sich spürbar eingesetzt, so ist dieser Eindruck mittlerweile fast gänzlich verschwunden. Natürlich erwarte und denke ich, dass „hinter den Kulissen“ alles getan wird um sich für unseren Berufsstand stark zu machen, aber als Branchenteilnehmer nehme ich das nicht mehr war. Die Verunsicherung bei Mitarbeitern und Kunden nimmt spürbar zu. Hier empfinde ich es als ganz wichtig, dass unsere politische Vertretung gleich 2x aktiv wird. Weiterhin hinter verschlossenen Türen um politisch zu agieren, aber auch im öffentlichen Raum dafür zu werben, dass unsere Branche nicht nur keine Gefahr darstellt, sondern aufgrund unserer Hygiene-Historie sogar eine Lösung für die Pandemie sein kann. #NurSicherBeimFriseur Und ich erwarte, dass politisch so starker Einfluss genommen wird, dass „schwarze Schafe“ (die es natürlich auch in unserem Beruf gibt. Siehe „Schwarzarbeit“) mit schnellen und harten Konsequenzen konfrontiert werden.

Ja, die Aufgaben sind vielschichtig. Und sollte sich die Struktur im Zentralverband nicht massiv verändert haben, dann arbeitet der überwiegende Teil (auch im Vorstand) weiterhin ehrenamtlich und unentgeltlich. Das wäre moralisch sehr nobel und lobenswert – doch stellt sich hier die Frage, wie man diese Herkules-Aufgaben richtig gut bewerkstelligen soll, wenn man sich nicht zu 100% darauf konzentrieren kann? Auch hier bedarf es möglicherweise einer Reform, so dass unsere politische Vertretung auf Augenhöhe und mit bestmöglicher Professionalität agieren kann. Auf der „anderen Seite“ sitzen nämlich fast ausschließlich nur Profis und Juristen…

Zum Schluss ist es mir wirklich wichtig, Herrn Harald Esser zu danken. Der langjährige Präsident hat ja jetzt den Weg frei gemacht und wurde nun in Köln von den delegierten zum Ehrenpräsidenten gewählt. Völlig zu recht! Ja, Herr Esser und ich hatten immer mal wieder unsere inhaltlichen Auseinandersetzungen. Ja, in einigen zentralen Punkten konnten wir uns auch nach langen Diskussionen nicht auf eine gemeinsame Position einigen. Aber… all unsere Gespräche waren immer mit hoher Wertschätzung geführt. Ich habe Herrn Esser jederzeit als einen sehr wertvollen Menschen wahrgenommen, der auch moralisch hohen Ansprüchen genügt. Herr Esser war jederzeit sehr zugewandt, emphatisch und warmherzig. Er hat die menschliche Seite unseres Berufsstandes würdevoll und vorbildlich vertreten. Dafür möchte ich mich bei ihm recht herzlich bedanken. Ich wünsche ihm persönlich alles erdenklich Gute, und sollte der Weg einmal nach Hamburg führen, würde ich mich wirklich sehr über ein persönliches Treffen freuen. Meine Kontakten sollten in Köln vorliegen 😉

Herzlich, Lars Nicolaisen

PS: Das Foto habe ich aus Facebook heraus kopiert. Sollte der Zentralverband etwas dagegen haben, werde ich es selbstverständlich entfernen.

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