Meine persönliche Sicht über den aktuellen Umgang mit dem Corona-Virus

1992 wollte mich eine Freundin aus den USA besuchen. Sie sagte kurzfristig ab, weil sie in den Nachrichten gesehen hat, dass in Deutschland Unterkünfte angezündet werden in denen sich Ausländer aufhalten.

2016 bekam ich während des G20 Gipfels in Hamburg unzählige Nachrichten von Freunden, die Angst um meine Familie und mich hatten, weil ja ganz Hamburg im Chaos versinkt.

2020 nun die Panik vor einer möglichen Coronavirus-Epidemie.

Ich bin kein Experte, sondern nur ein Friseur. Aber auch als Friseur kann man schnell herausfinden, dass jedes Jahr weltweit 650.000 Menschen am Grippevirus sterben. Sterben! Deutlich über eine halbe Millionen Menschen jedes Jahr! Werden deswegen Reisen, Messen oder Fussballspiele abgesagt? Haben wir deswegen Angst, wenn in einem unserer Salons eine Kundin hustet oder schnieft?

Seit dem Jahr 2000 sind mehr Menschen an Fischgräten gestorben als bei einem Terrorakt, von 9/11 bis Hanau. Wieso wird darüber nicht jedes Jahr geschrieben und vor tödlichem Fischverzehr in Brennpunkten und Sondersendungen gewarnt?

Mit diesen Beispielen möchte ich weder die Medien noch die weltweiten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Covid-19 Viruses kritisieren. Gibt es einen neuen Krankheitserreger der noch nicht erforscht ist und der im Extremfall zu Todesfällen führen kann, ist es die Pflicht eines jeden Landes und jeder Gesundheitsorganisation, alles mögliche zu unternehmen um diesen Virus einzuschränken und zu erforschen. Und es ist die Pflicht von Medien über diese Maßnahmen zu berichten. Teilweise fallen die ja auch tatsächlich spektakulär aus, wenn zB ganze Städte in Quarantäne gesetzt werden. Natürlich besteht bei uns allen ein großes Interesse daran, über den aktuellen Stand dieser neuen Lungenerkrankung informiert zu werden. Ob es immer so laut, dramatisch, einschüchternd und so reißerisch sein muss wie es einige Medien aktuell tun, ist eine Frage des guten Geschmacks. Aber mal ehrlich, bei einigen Medien habe ich eh schon lange jede Hoffnung auf verantwortungsvollen Journalismus verloren

Was will uns diese Farbgebung signalisieren? Das die Welt brennt? Warum werden Wörter wie „Corona-Quarantäne“ und „Zehn Infizierte“ derart in den Mittelpunkt gestellt? Um die Leserinnen und Leser zu beruhigen?

Ich werde den Teufel tun und mich über den neuen Coranvirus-Hype lustig machen. Auch wenn die Besorgnis mancher Menschen vor einer möglichen Ansteckung aus meiner Sicht völlig übertrieben ist, so ist diese Besorgnis und dieses mulmige Gefühl bei diesen Personen real. Wir leben in Zeiten, in denen Fakten manchmal einen geringen Wert haben als eine „gefühlte Wahrheit“. Das ist so. Die Wahrscheinlichkeit im Strassenverkehr zu sterben ist um ein vielfaches höher als im Flugzeug zu sterben. Dennoch gibt es viele Menschen mit Flugangst, aber meines Wissens niemanden der Strassenverkehrs-Angst hat. Gefühl vs. Fakten.

Ich denke wir sind alle gut beraten den Vorschlägen des Gesundheitsamtes zu folgen, öfter am Tag die Hände zu waschen, in die Armbeugen zu niesen und benutzte Taschentücher in einen geschlossenen Müllbehälter zu werfen. Dies alles ist übrigens immer in den Wintermonaten ratsam, wenn mal wieder ein Grippevirus rumgeht. Ansonsten sollten wir uns keinesfalls irgendeiner „Angst“ hingeben und unseren Alltag einschränken. Das gilt für die Arbeit, für die Freizeit, für geplante Reisen und für Besuche von Veranstaltungen.

In Australien brennen immer noch viele Wälder. In Syrien sterben weiterhin jeden Tag Menschen im Krieg. Ich könnte jetzt noch viele traurige Dramen aufzählen die gestern, heute und morgen geschehen, ohne das darüber auf den Titelseiten der Tageszeitungen und in Eilmeldungen auf dem Smartphone berichtet wird. Wir sollten mittlerweile gelernt haben mit der Flut an Nachrichten umzugehen. Info ja, Panik nein.

Ich wünsche uns allen einen wunderbaren Donnerstag.

Herzlich, Lars Nicolaisen

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