Erster Rückblick auf den Mai 2020

Mein letzter Beitrag ist 10 Tage her. Wird Zeit, dass ich mal wieder in den Blog schreibe. Der Monat Mai endet an diesem Wochenende, und ich blicke dankbar und dennoch mit Sorge zurück.

Ich bin dankbar darüber, dass wir nach dem Lockdown eine so hohe Kundennachfrage hatten und auch weiterhin haben. Das ist wunderbar. Es hilft nicht nur finanziell, sondern es ist auch so schön zu sehen, wie viele Menschen sich auf uns freuen und wie wichtig wir so vielen Hamburgerinnen und Hamburgern sind. Die Stimmung war zu 95% immer ganz wundervoll, fröhlich und zuvorkommend – und das trotz all der Hygienemaßnahmen, denen wir alle ausgesetzt sind.

Ich bin auch dankbar mit welch hoher Professionalität und mit wie viel positiver Energie alle Mitarbeiter diesen Re-Start angenommen haben! Die Stimmung in den Teams war auch hier zu 95% total fröhlich und teilweise sogar entspannt, obwohl wir so viel Kundennachfrage hatten. Durch die reduzierte Anzahl an Bedienplätze, können auch nur eine begrenzte Anzahl von Mitarbeitern gleichzeitig arbeiten. Wir mussten uns in kleine Teams einteilen. Dadurch herrscht weniger Hektik und auch die Lautstärkepegel ist im Vergleich zu einem voll besetzten Salon deutlich ruhiger. Das war und ist angenehm. Dazu kommt, dass die allermeisten Mitarbeiter aktuell nur an 3 Tagen arbeiten. Dann zwar 10 Stunden pro Tag, doch 4 freie Tage in der Woche dienen wunderbar als Ausgleich. Alle Mitarbeiter machen auf mich einen zufriedenen Eindruck und die Stimmung ist auch hinter den Kulissen absolut positiv.

Die Kundennachfrage ist groß. Die Mitarbeiter fühlen sich wohl. Warum bin ich dann nicht vollständig glücklich, sondern schreibe auch, dass ich mir Sorgen mache?

Nun, das hat zwei Gründe. Der erste Grund ist, dass wir natürlich auch in den Umsatzzahlen am Ende einer Woche (oder eines Monates) sehen, dass die meisten Mitarbeiter 30 statt 40 Stunden in der Woche gearbeitet haben. Alle, vom Azubi, über Rezeption bis zu den Stylistin, haben im Mai absolute Höchstleistungen erbracht! Davor ziehe ich jeden Hut und bin total froh und glücklich. Doch im Gesamtergebnis sieht man natürlich dennoch die „30 statt 40 Stunden“. Ist ja logisch. Da jetzt aber fast vollständig alle Kosten wieder anfallen, ist der Monatswechsel schon eine kleine Herausforderung. Wir packen es, aber es bleibt natürlich kaum etwas hängen um die seit dem Lockdown angefallenen, riesigen Verpflichtungen adäquat aufzufangen. Da liegt noch sehr viel Arbeit vor mir. Und da davon auszugehen ist, dass die Nachfrage in den nächsten Wochen zwar weiterhin hoch, aber natürlich nicht mehr so extrem hoch wie im Mai sein wird, werde ich erst in ein paar Monaten seriös sagen können, wo wir eigentlich wirklich stehen. Dieses Gefühl einer großen „Unbekannten“, habe ich zum Glück noch nie zuvor in meiner Selbstständigkeit kennen lernen müssen. Jetzt lerne ich es kennen. Es ist ein unangenehmes Gefühl.

Der zweite Grund meiner Sorge ist, dass wir alle noch gar nicht absehen können, welche wirtschaftlichen Schäden in Deutschland entstanden sind. Immer wenn ich durch die Stadt, die Europa Passage oder die Hamburger Meile gehe, bin ich erschrocken wie wenig Menschen ich antreffe. In den meisten Shops sehe ich keine Kunden. Es ist erschreckend. Immer mal wieder ist ein Tag in der Woche dabei, da ist es plötzlich ganz voll, so als ob sich alle Hamburger abgesprochen hätten gerade heute in die Stadt bzw. in ein Einkaufszentrum zu gehen. Dann hoffe ich immer, dass jetzt wieder „Normalität“ einkehrt. Doch dem ist nicht so. An den meisten Wochentagen ist es ruhig. Extrem ruhig. Kein Wunder, dass sehr viele Geschäfte bereits um 18:00 Uhr schließen. Wird 18:00 Uhr das neue 20:00 Uhr? Wie verändern sich unsere Innenstädte und unsere Einkaufsgewohnheiten? Und was ist mit der Gastronomie? Simona und ich waren diesen Montagabend erstmals wieder in einem Restaurant. Ein sehr beliebter Italiener der eigentlich immer ausgebucht ist. Drei Tische waren besetzt. Die überwiegende Anzahl der Tische blieb den gesamten Abend leer. Traurig.

Es herrscht bei mir in diesen Tagen eine komische Stimmung. Ich bin glücklich. Ich bin erleichtert. Ich bin fröhlich. Ich bin ängstlich. Ich mache mir Sorgen. Dieser Mix aus „Glas halbvoll“ und „Glas halbleer“ begleitet mich momentan durch jeden einzelnen Tag. Es schwankt hin und her. Ich hoffe, dass der Juni ein bisschen planbarer wird und wir alle (bei aller Vorsicht) immer mehr zurück zur „Normalität“ finden.

Mit herzlichen Grüßen – Lars Nicolaisen

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