Endlich nicht mehr allein

Seit gut drei Monaten haben wir an zwei von drei Standorten in einer gefühlten Geisterstadt gearbeitet. Natürlich bin ich froh und dankbar, dass unsere Friseursalons seit dem 1. März wieder geöffnet sein dürfen. Doch neben hohen bürokratischen und hygienischen Aufwänden, machte uns auch unser Umfeld zu schaffen.

Sowohl um unseren Salon am Ballindamm als auch besonders im EKZ Hamburger Meile, schlug uns und unseren Gästen ein trauriges Bild entgegen. Kein Leben. Kein lachen. Nur verschlossene Geschäfte und Notbeleuchtung. Gerade in der Hamburger Meile wurde (verständlicher Weise) auf jegliche musikalische Unterstützung verzichtet. Die Klima- und besonders die Beleuchtungsanlagen liefen auf Minimum. Bis auf wenige Standorte wie Drogerie, Bäcker oder Optiker blieb alles geschlossen. Und die Geschäfte die öffnen durften, taten dies oftmals nur in einem stark begrenzten Zeitraum. Dinge wie zB „Click & Collect“ boten nur wenig Geschäfte an, weil sich anscheinend ein möglicher Ertrag im Vergleich zu Aufwand & Kosten nicht lohnte.

Wir jedoch waren da. Mindestens 11 Stunden pro Tag, also 66 Stunden pro Woche. Im März war die Nachfrage gigantisch, doch ab April war auch bei uns ein Rückgang zu spüren. Dennoch haben wir durchgehalten. Arbeitszeiten der Mitarbeiter wurden angepasst, die Zahl der gleichzeitig arbeitenden Stylisten reduziert. Uns allen war es wichtig unseren Gästen größtmögliche Flexibilität zu bieten, was auch sehr positiv aufgenommen wurde. Und so gingen die Wochen ins Land. Ich weiß nicht ob man das irgendwie nachempfinden kann, aber wenn man morgens ein Geschäft aufschließt und links und rechts herrscht gähnende Leere und Dunkelheit – und das über viele Wochen – dann macht das was mit einem. Wenn man Mittagspause hat und läuft durch eine tote Einkaufspassage, dann ist das die ersten Tage irgendwie noch „aufregend und neu“, aber schnell holt einen die Traurigkeit ein. Diese „Endzeitstimmung“ über Tage, Wochen und Monate hautnah miterleben zu müssen, ist schon belastend.

Um so mehr freuen wir uns, dass damit ab heute endlich Schluss ist! Ab heute sind Geschäfte und Außengastronomie endlich wieder in Hamburg geöffnet. Endlich wieder leben, lachen und Stimmengewirr. Endlich nicht mehr allein sein. Endlich wieder auch für unsere Gäste ein Mehrwert zu uns in die Hamburger Meile oder in die Europa Passage zu kommen. Endlich!

Ich freue mich für unsere Kunden, ich freue mich für unsere Mitarbeiter – aber am meisten freue ich mich für die vielen Geschäftsinhaber und deren Mitarbeiter! Endlich wieder „Alltag“. Endlich wieder arbeiten. Endlich wieder Abwechslung. Endlich wieder eine Aufgabe. Endlich wieder ein Schritt zurück in das alte Leben – welches man heute sicherlich anders zu schätzen weiß als vor der Pandemie.

Ich freue mich für die Stadt. Ich freue mich für uns alle!

Herzlich, Lars Nicolaisen

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