Einzelhandel-Wahnsinn

sale

Lars Nicolaisen:

Heute Morgen musste ich im Hamburger Abendblatt wieder von einer Schließung eines Traditionshauses in Hamburg lesen. Diesmal trifft es das „Sporthaus Schuster“ in Eppendorf. Ob Lenffer, ob Boyens, ob Schuster – immer wieder liest man von diesen Schicksalen. Und als Inhaber eines Familienunternehmens welches 1933 gegründet worden ist, lässt mich das nicht kalt. Ganz schnell kommt dann bei mir die Frage auf „Wer hat Schuld an dieser Entwicklung, dass toll gestylte aber oftmals seelenlose Fillialunternehmen gewinnen und inhabergeführte Fachgeschäfte schließen und verschwinden?

Sind es die Inhaber selbst, denen es an gut ausgebildeten Nachfolgern oder an mangelnder Innovationsbereitschaft fehlt? Die zu sehr in der Vergangenheit leben und sich dem veränderten Kaufverhalten nicht zeitgemäß anpassen wollen oder können? Oder liegt es an den Kunden? Liegt es an uns? Liegt es unserer Bequemlichkeit (Stichwort: „Online“)? Oder nach der Jagd nach den günstigsten Preisen? Der Gewohnheit, dass man ein Produkt zu einem „normalen“ Preis gar nicht mehr kauft? Die Suche nach dem größten „SALE“?

Zwei unserer Salons befinden sich ja in Einkaufszentren. Hamburger Meile und Europa Passage. Der Besuch dieser beiden Hotspots des Hamburger Einzelhandels lässt mich momentan erschaudern. Kaum ein Geschäft welches nicht dick und fett „SALE“ auf ihren Schaufenstern geklebt hat. 20% sind da ja noch das Mindeste. Oftmals liest man etwas von 50% oder sogar drüber. Erinnert mich an einen Kunden der vor kurzem zu mir sagte „Ganz ehrlich Herr Nicolaisen, unter 50% interessiert es mich schon gar nicht mehr. Da schaue ich gar nicht mehr hin.

Besonders erschrocken war ich vor kurzem von „Douglas“. Nach meinem Kenntnisstand machte „Douglas“ in den letzten 20 Jahren in den jeweils letzten beiden Monaten des Jahres gut 70% ihres Jahresumsatzes. Und 2016? Im ganzen Dezember gab „Douglas“ 20% auf alles! Jetzt nach Weihnachten sind es 30%. Auf alles! Ja verdammt, wer kauft denn dann zukünftig noch ein einziges Produkt bei „Douglas“ zum Normalpreis?

Nun mag es Leser dieses Beitrages geben, die sich über diese Entwicklung freuen. Ich tue es nicht. Und zwar nicht weil ich gern viel Geld ausgebe, sondern weil ich Qualität und besonders Individualität mag. „Individualität“ schein im Einzelhandel aber immer mehr zu einem Fremdwort zu verkommen. Schon heute sind z.B. Einkaufszentren völlig austauschbar. Ob Hamburg, Kiel, Frankfurt oder Rosenheim – überall findet man die gleichen Geschäfte. Ist das noch spannend? Und auch mit der Entwicklung der immer längeren Öffnungszeiten, Sonntagsöffnungen und Shopping-Nächte sind gut ausgebildete und dementsprechend wertschätzend zu entlohnende Mitarbeiter schlicht und einfach nicht mehr zu bezahlen. Dann lieber günstigere Jobber. Die können auch freundlich „Guten Tag“ sagen und „Haben Sie ne Paypal Karte?“ fragen. Fachlich gut geschult sind die aber oftmals nicht. Die Masse der Kunden braucht aber anscheinend auch keine gute Beratung mehr, schließlich hat man ja ein großzügiges Umtauschrecht.

Haarschnitte kann man nicht umtauschen. Und auch wer anhand des heutigen Bildes gehofft hat bei uns Schnäppchen zu erhalten, den muss ich enttäuschen. Wir geben auch 2017 keine saisonalen Rabatte, keinen „SALE“. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Preise so realistisch und fair kalkuliert, dass man bei uns niemals einen Euro zu viel ausgibt. Aufgrund von weitreichender, interner Umstrukturierung war es uns möglich in den letzten Jahren die Löhne unserer Mitarbeiter deutlich zu erhöhen. Und ich finde unsere Mitarbeiter haben das auch ausnahmslos verdient. Ein „SALE“ auf irgendeine Dienstleistung würde gleichzeitig auch eine Lohnreduzierung bedeuten – und das kommt für uns nicht in Frage. Von daher gibt es bei uns nur einen Weg: Weiterhin täglich darauf achten, dass wir sowohl in der fachlichen Dienstleistung als auch im Service und in der Kundenansprache jeden Euro für unsere Kunden Wert sind. Das ist ein schweres Unterfangen, da wir immer Unikate erstellen und keine Maschinen sind. Somit passieren auch uns Fehler. Und Kunden bei denen genau solch ein Fehler passiert, ärgern sich verständlicher Weise dann auch über den Preis. Aber wir gehen mit diesen Einzelfällen professionell um und verlieren nicht den Blick aufs große Ganze. Und ich denke genau darin liegt eine unserer Stärken: Gespür für individuelle Einzelfälle, aber klar im Kurs und fokussiert auf das was „Nicolaisen“ seit über 80 Jahren stark gemacht hat: Wir sind anspruchsvoll, hanseatisch und neuartig! Und das bleiben wir auch 2017. Versprochen.

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