Was den Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks mit der Wahl Donald Trump´s verbinden könnte

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Lars Nicolaisen:

Der Schock sitzt immer noch tief, dass gebe ich unumwunden zu. Konnte ich schon die Briten mit Ihrer Wahl zum Brexit nicht verstehen, so schaue ich immer noch ungläubig auf das Wahlergebnis in den USA. Zugegeben, dass die Demokraten Hillary Clinton als Spitzenkandidaten auserkoren haben, war schon an Dämlichkeit kaum zu überbieten. Mir taten die Amerikaner leid, hatten sie doch nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber dennoch… bei allem Verständnis für die Abneigung gegen das politische Establishment für welches die Clinton Familie ja perfekt steht, kann man doch nicht ernsthaft einen gefährlichen Egomanen wie Donald Trump ins weiße Haus wählen. Ein Mann der Ängste bedient, der Hass schürt und der mit Sicherheit absolut Beratungsresistent ist. Dieses Wahlergebnis wird schwere Folgen für die Amerikaner und für die Welt haben. Dunkle Zeiten. Ich gebe zu, diese Wahl macht mir Angst. Und sowohl seine Siegesrede als auch sein Antrittsbesuch im weißen Haus haben bis jetzt meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Der Mann ist eine unberechenbare Zeitbombe. Bleibt uns nur der kleine Strohhalm der Hoffnung, dass alles doch nicht so schlimm wird wie befürchtet.

Ich könnte jetzt noch ganz viel über meine politischen Sichtweisen schreiben, doch will ich nicht über Politik oder über Donald Trump an sich schreiben, sondern viel mehr die Wahl Donald Trump´s zum Anlass nehmen, einen Blick auf die aktuelle Situation meiner Friseurbranche zu werfen Der heutige Beitrag richtet sich daher viel mehr an alle mitlesenden Friseure als an unsere Kunden.

Die aktuelle Situation für engagierte, steuerehrliche Friseure in Deutschland ist wirklich dramatisch. Das Image der Branche ist berechtigt schlecht. Während in sehr vielen anderen europäischen Ländern die Friseurbranche gesund wachsen konnte, kämpfen wir in Deutschland mit einem anscheinend kranken System. Innungen und Verbände sind mit wenigen Ausnahmen an Engstirnigkeit kaum noch zu überbieten. Der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks ist für mein Gefühl zu einem Kreis „Verhinderer“ verkommen, der nicht für seine Mitglieder und seine Branchenteilnehmer kämpft, sondern der sich anscheinend nur noch darum sorgt den eigenen Posten zu verteidigen. Nicht die Friseurunternehmen die viel Kraft, Zeit und Geld investieren die Branche nach vorn zu bringen und das Friseur-Image beim Endverbraucher zu heben werden unterstützt, sondern gefühlt all die verstaubten Traditionalisten die sich überwiegend nur mit fragwürdiger Buchführung über Wasser zu halten scheinen. Mir sind Innungen bekannt, bei denen keines der führenden Innungsmitglieder noch ausbildet, aber dennoch für sich in Anspruch nimmt über Ausbildungsinhalte bestimmen zu wollen. Man muss sich nur einmal anschauen welche Ausbildungsinhalte bei Gesellenprüfungen abgefragt werden, um zu begreifen wie veraltet das System ist. Attraktiv ist dies jedenfalls nicht. Kein Wunder, dass mittlerweile z.B. in Hamburg nur noch 10% alle Friseursalons ausbilden. So ganz nebenbei: Aktuell beschäftigen wir bei Nicolaisen 12 (!) Auszubildende! Bekomme ich dafür von der Hamburger Innung oder von der Handwerkskammer einen Orden? Eine Vergünstigung? Oder zumindest ein Lob? Glaubt Ihr doch selber nicht, oder?

Ihr merkt ich schreibe mich gerade in Rage. Und Ihr fragt Euch berechtigt was diese Situation jetzt mit der Wahl in den USA zu tun hat. Da kann ich Euch sagen: Egal wie schlimm ich das Wahlergebnis finde, es macht mir als Friseurunternehmer ein wenig Mut. Ich versuche das einmal so zu erklären: Um unsere Branche positiv, nachhaltig und zukunftssicher zu entwickeln, benötigen wir einen modernen, aufgeschlossenen und engagierten Zentralverband. Von diesem sind wir aber weit entfernt. Und egal ob Vertreter der Haarkosmetikindustrie oder motivierte Friseure – alle verzweifeln an den verkrusteten Strukturen und der zögerlichen Führung der Führungskräfte im deutschen Zentralverband. Und alle mit denen ich in den letzten Monaten gesprochen habe glauben, dass sich das so schnell nicht ändern wird. Aber…. haben wir nicht auch noch vor einem Jahr gedacht dass Donald Trump niemals Präsidentschaftskandidat wird? Und haben wir nicht letzte Woche noch gedacht dass Donald Trump niemals Präsident wird? Die Welt ändert sich! Und auch wenn ich die weltpolitische Entwicklung mit großer Sorge betrachte, so habe ich neuen Mut entwickelt daran zu glauben, dass alte und verstaubte Strukturen viel schneller einstürzen können als man allgemein vermuten mag. Die Zeit ist reif.

Egal ob der eigene Salon auf dem Land oder in der Stadt beheimatet ist. Egal welche Produkte man verwendet. Egal welchen Hersteller man bevorzugt. Egal ob kleines oder großes Team. Es muss uns allen klar sein: Ändern sich nicht schnellstmöglich die Ansichten und die Handlungen an der Spitze von Verbänden und dem deutschen Friseurhandwerk, dann fällt das Kartenhaus endgültig in sich zusammen! Wir brauchen eine starke Lobby! Wir benötigen moderne Ausbildungskonzepte. Wir benötigen einen ernstgeführten Kampf gegen die in unserer Branche weit verbreitete legalisierte Schwarzarbeit! Wir benötigen endlich eine deutlich höhere Professionalität, mehr Mut und  mehr Anstrengungen bei unseren Branchenvertretern! Und sollten sich die Damen und Herren nicht endlich sichtbar bewegen und statt neue Ideen zu verhindern eigene neue Ideen entwickeln, dann sollte es eine Allianz zwischen all den Industriefirmen und Unternehmen geben, die dem nicht mehr tatenlos zusehen wollen.

Alle glauben: Das Verbandswesen ist halt so wie es ist und da kann man nichts machen.  Aber vor wenigen Tagen haben wir auch geglaubt Donald Trump wird nie gewinnen. Alle, wirklich alle Umfragewerte sahen ihn als Verlierer! Aber es gab diese vielen unbekannten Wähler die ihm zum Wahlsieg verholfen haben. So viele Amerikaner haben sich nicht zu erkennen gegeben und erst am Wahltag mit Ihrem Kreuz ihren Gefühlen freien Lauf gelassen. Und so schlimm und falsch ich dies empfinde… ich glaube es gibt auch sehr viele Friseur in Deutschland die noch ruhig sind und sich nichts anmerken lassen, die aber auch eine hohe Abneigung gegen die Art und Weise der aktuellen Interessenvertretung Seitens Innung und Verbände empfinden.

Und damit das ganz klar ist: Damit meine ich keinesfalls auch nur eine einzige Person persönlich! Es geht mir nicht um die Menschen, nicht um die Personen an sich. Ich selbst engagiere mich ehrenamtlich seit über zwei Jahrzehnten in dieser Branche bei den Intercoiffuren. Ich weiß was es heißt einen recht großen Teil seiner persönlichen Freizeit für ein Ehrenamt zu opfern. Und sehr viele unserer Interessenvertreter engagieren sich ebenfalls mit einem hohen persönlichen Aufwand ehrenamtlich in Innungen und Verbänden. Dieses Engagement, dieser Einsatz imponiert mir sehr. Und natürlich ist auch nicht alles zu verurteilen und so einige, für uns oftmals nicht sichtbare, politische Strömungen werden aktiv begleitet. Dies alles verdient meinen Respekt. Aber als Branchenteilnehmer habe ich das Gefühl das der Zentralverband und seine Organe viele Dinge nur verwalten statt zu modernisieren und zu gestalten! Es fehlt sichtbar an Mut, an dem Wunsch unsere Branche zukunftssicher zu positionieren. Mir fehlen sichtbare Strategien für den Markt, an welchen sich engagierte Friseure ausrichten können.

Aktuell, so scheint es, geht es viel mehr um das starre festhalten an völlig überholten Errungenschaften! Zu gern wird z.B. gebetsmühlenartig immer wieder gesagt, dass die Welt neidisch auf unser Duales-Ausbildungssytem schaut. Das ist aus meiner Sicht völliger Quatsch. Macht die Augen auf! Schaut auf die Qualität in den Salons in England, Frankreich, Spanien, Russland & Co! Das Niveau erscheint mir in der Breite deutlich höher als bei uns zu sein. Natürlich hat sich ein duales Ausbildungssystem bei uns bewehrt. Ich bin (nur um bei diesem einen Beispiel zu bleiben) auch nicht unbedingt für die Abschaffung dieses Systems. Aber es sollte dringend modernisiert werden! Es muss flexibler sein. Es muss dem Zeitgeist widerspiegeln. Es muss Ausbilder und Auszubildende motivieren zu Höchstleistungen zu streben. Und dies sei nur stellvertretend für viele Stellschrauben erwähnt, die bei uns dringend reformiert werden müssten.

Dies ist kein Aufruf zur Revolution! Wer mich kennt weiß, dass ich dafür viel zu harmoniebedürftig bin. Aber ich bin müde mich immer wieder für meine Branche entschuldigen zu müssen. Ich bin müde unseren Kunden unsere anspruchsvollen Preise erklären zu müssen. Nur, wer in der aktuellen Branchensituation als Friseurunternehmer noch umfangreich, wertvoll und nachhaltig ausbilden will, wer seine Mitarbeiter wertschätzend entlohnen will, wer dafür sorgen möchte dass sich Mitarbeiter fachlich und menschlich weiterentwickeln können, wer sich für seine Kunden genügend Zeit nehmen möchte und wer dabei jederzeit sein Unternehmen steuerehrlich und fair gegenüber Dritten führen will – der wird mit der verstaubten Bürokratie der meisten unserer politischen Berufsvertreter schier wahnsinnig!

Und da bin ich wieder beim Anfang meines Beitrages. Die Menschen in den USA wollten Veränderung! Und anstatt dass sich die politische Klasse diesen Wunsch zuwendete und in ihren Möglichkeiten versuchte gewisse Strömungen aufzunehmen und in geregelten Bahnen umzusetzen, machte man weiter wie bisher und vertraute darauf, dass man damit schon irgendwie durchkommt. Ging ja irgendwie immer. Tja, damit ist man nun sichtbar krachend gescheitert! Und die Welt darf dies nun ausbügeln. Meinen Interessenvertretern möchte ich zurufen: Macht die Augen auf! Modernisiert Euch! Findet Wege, lieb gewordene Tradition mit den heutigen Bedürfnissen und Anforderung sinnvoll zu verknüpfen. Positioniert Euch. Seit mutig! Statt „Make Amerika great again“ sollte es heißen: „Mach den Friseurberuf wieder zu einem Traumberuf!“Es wäre uns allen zu wünschen wenn dies gelingen sollte. Wenn nicht, sehe ich noch dunklere Zeiten auf uns zukommen. Es ist Zeit für einen Wechsel. CHANCE!

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