Nicht allein

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Lars Nicolaisen:

Es ist der Fluch der guten Tat, der einen im Leben oftmals einholt. Vor Jahren habe ich mich regelrecht geärgert wenn ich kurze, unpersönliche eMails erhalten habe. Ich empfand dies sehr oft als respektlos und zwang mich förmlich dazu meine Mails deutlich umfangreicher zu gestalten, zumindest immer dann wenn es aus meiner Sicht notwendig war und ist.

Und nun im Jahr 2017 bekomme ich die Quittung für diese gute Tat. Anscheinend mögen es viele meiner Geschäftspartner, sich mit mir über eMail auszutauschen. Kein Anruf, keine WhatsApp. Nein, eMail muss es sein. Daran hat sich mein Umfeld total gewöhnt. Ist ganz normal geworden. Und so vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht nur viele eMails erhalte, sondern wo auch von mir erwartet wird auf diese eMails sofort zu antworten.

Nun habe ich vor einigen Wochen richtig körperlich gespürt, dass mir dieser Druck an wirklich allen sieben Tagen in der Woche (!) nicht gut tut und ich daran etwas ändern sollte. Erste Maßnahme: Ich verordnete mir selbst „eMail freie Zeiten“. Sonntags gucke ich in kein eMail Fach mehr. Manchmal schalte ich auch in der Woche mein iPhone am Abend in den Flugmodus und zwinge mich regelrecht dazu meinen Computer zu Hause nicht mehr anzuschalten sondern mich stattdessen intensiver mit der Familie zu beschäftigen, mit dem Hund spazieren zu gehen oder auch mal den Fernseher anzuschalten (habe ich Jahrzehnte nicht gemacht – Ausnahme Nachrichten & Fussball).

Diese ganz bewusste Entscheidung den Alltag nach so vielen Jahren mal wieder zu verändern und zu versuchen zumindest stundenweise das Privatleben über das Berufsleben zu stellen, tat und tut mir eigentlich ganz gut. Eigentlich… Noch klingt das jedoch alles besser als es in Wirklichkeit ist, denn Gewohnheiten – eigene und die vom eigenen Umfeld – sind nur sehr mühselig und langwierig zu verändern. Und aktuell ist es so, dass ich mich zwar schon zu dieser freien Zeit zwinge, ich aber deswegen nicht eine eMail weniger bekomme. Mein Umfeld hat sich daran gewöhnt mich mit Textnachrichten zu bombardieren. Wie oben geschrieben habe ich diese Situation ja selbst zu verantworten, daher möchte ich auch niemanden dafür kritisieren. Bis auf mich. Und so vergeht kein Morgen an dem ich nicht viele Mails in meiner Ablage finde. Und wenn ich mich dazu entschließe einmal nicht darauf zu reagieren, sind es halt einen Tag später noch deutlich mehr. Und spätestens nach drei Tagen ist die Zahl der eMails, die man bearbeiten und eventuell auch beantworten muss, dreistellig.

Warum ich das heute schreibe? Ich wollte gestern gut gelaunt einen Blogbeitrag schreiben. Ich hatte dafür auch am Vormittag genügend Zeit. „Na, check ich vorher doch noch mal kurz die eMails“ dachte ich gestern kurz nach dem aufstehen. Und dann saß ich da stundenlang vor dem Rechner und tippte mir die Finger wund. Und so verflog die Zeit auch für diesen Blog und es erschien kein Beitrag. Und das war ja nicht das erste Mal dass ich Vormittags keinen Blog geschrieben habe, obwohl ich vor dem Rechner an der Tastatur saß…

Dies soll jetzt keine Entschuldigung sein. Dies soll auch kein geweine und keine Klage sein. Ich habe nur gestern einen Kollegen getroffen der mir mehr oder weniger 1:1 die gleiche Geschichte erzählt hat. Wir waren erstaunt, dass wir mit unserer Situation nicht allein sind. Und so dachte ich mir heute früh ich schreibe einmal darüber, weil ich weiß dass auch viele tolle Kollegen diesen Blog lesen. Und wenn Ihr Euch in meinem heutigen Beitrag wiederfinden solltet, dann wisst Ihr: IHR SEID NICHT ALLEIN!

Also weg von der Tastatur und hinein ins Leben. Bringt oftmals eh mehr Spaß. Ich wünsche uns allen einen tollen Donnerstag.

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