31 Jahre, 6 Monate und 25 Tage Hamburger Meile

Am Samstag, den 26. September 2026, haben wir um 19:33 Uhr die Tür unseres Salons in der Hamburger Meile zum letzten Mal geschlossen. Nach 31 Jahren, 6 Monaten und 25 Tagen.
Vielleicht hat sich der eine oder andere gewundert, warum wir diesen Abschied nach einer so langen Zeit nicht viel größer medial begleitet haben. Warum es keine große Abschiedskampagne gab, keine Party, kaum Rückblicke auf Social Media und auch hier im Blog bisher wenig darüber zu lesen war. Die einfache Antwort ist: Wir hatten und haben dafür momentan schlicht keinen Kopf.
Simona und ich stecken noch immer mitten in einer der intensivsten Umstrukturierungen unserer beruflichen Laufbahn. Der gesamte September bestand aus Gesprächen, Terminen, Entscheidungen, Organisation und sehr viel Arbeit vor Ort. Eigentlich sind wir seit Wochen 24/7 mit dem Kopf in diesen Prozessen. Einen freier Sonntag ohne Arbeit gab es irgendwann Anfang August. Für einen richtigen Abschied braucht man aber auch ein bisschen Ruhe. Man muss mal durchatmen können, zurückschauen und begreifen, was da gerade zu Ende gegangen ist. Das können wir im Moment noch nicht.
Doch das klingt jetzt sicherlich „weinerlicher“ als wir uns aktuell fühlen. Für uns ist diese Zeit gerade völlig okay, bitte kein Mitleid. Wir wissen ja, dass auch wieder ruhigere Zeiten kommen werden. Und bei all den großen Herausforderungen bringt uns diese Zeit gerade auch Spaß. Weil sich etwas nach vorn bewegt. Weil die Teams und unsere Kunden so unfassbar gut mitziehen und an unserer Seite sind. Das ist neben den Anstrengungen auch unglaublich schön und motivierend. Jetzt gilt unser ganzer Fokus erst einmal dem Oktober. Hinter den Kulissen stehen noch wichtige Termine und Entscheidungen an, und vieles von dem, was wir über Wochen und Monate vorbereitet haben, muss jetzt zu einem guten Ende gebracht werden. Im Moment sieht es auch absolut danach aus, dass uns das gelingen wird. Vieles läuft in die richtige Richtung. Und vielleicht kommt dann Ende Oktober zum ersten Mal seit langer Zeit der Moment, in dem wir wirklich einmal durchatmen können.
Trotzdem möchte ich die Hamburger Meile nicht einfach verschwinden lassen, ohne wenigstens ein paar Zeilen darüber zu schreiben. Denn natürlich sind wir unglaublich dankbar für das, was wir in der Hamburger Meile erleben durften. Am 1. März 1995 haben wir unseren Salon eröffnet. Am 26. September 2026 haben wir ihn geschlossen. Dazwischen liegen 31 Jahre, 6 Monate und 25 Tage. Rechnet man alle Montage bis Samstage zusammen, sind das fast 10.000 mögliche Öffnungstage. Anfangs hatten wir von 9:00 bis 18:30 Uhr geöffnet, später von 10:00 bis 20:00 Uhr. Rechnerisch kommen wir damit auf fast 100.000 Stunden, in denen unsere Salontür geöffnet war. Und selbst wenn wir ganz vorsichtig rechnen, wurden in dieser Zeit weit über 250.000 Kundenbesuche bei uns bedient.
Aber keine dieser Zahlen kann auch nur annähernd beschreiben, was dieser Salon für uns bedeutet. Hier haben meine Eltern gearbeitet. Hier habe ich erfahren, dass ich Vater werde. Hier saß ich als junger Selbstständiger im Labor auf einem Stapel nasser Handtücher und habe geheult, während draußen der Salon voller Kunden war. Eine langjährige Mitarbeiterin hatte gerade gekündigt. Sie sagte mir ziemlich deutlich, dass ich eben nicht so sei wie mein Vater – und dass sie mich als Chef nicht akzeptieren könne. Auch das gehört zu 31 Jahren Selbstständigkeit.
Hier haben wir Guildo-Horn- und ESC-Partys gefeiert. Hier haben wir bei unseren „Candle Light Days“ nur bei Kerzenschein Haare geschnitten. Und hier sagte mir irgendwann eine Kundin, ich würde sie wahnsinnig an einen Schauspieler erinnern. „Sie kennen doch den Film Notting Hill?“ Natürlich kannte ich den. Und für einen sehr kurzen Moment dachte ich: Hugh Grant. Na gut. Stimmt zwar nicht, aber als Kompliment nehme ich das jetzt einfach mal mit. Sie meinte aber gar nicht Hugh Grant, sondern Spike, den Mitbewohner. Gespielt von Rhys Ifans. Na Danke.
Wir wurden in diesen 31 Jahren enttäuscht, bestohlen und beklaut. Wir haben Fehler gemacht, Rückschläge erlebt und wahrscheinlich mehr als einmal gedacht: Warum tun wir uns das eigentlich an? Und trotzdem haben wir am nächsten Morgen wieder die Tür fröhlich aufgeschlossen. Denn all den schwierigen Momenten stehen weit über 250.000 Kundenbesuche gegenüber. Und damit eben auch weit über 250.000 Begegnungen. Gespräche. Lachen. Vertrauen. Erfolge. Lob, Anerkennung und Wertschätzung. Der Salon wurde mehrmals von unterschiedlichen Publikationen als einer der besten Salons in Deutschland ausgezeichnet. Das ist am Ende eben auch viel Wert und sagt viel über die Menschen aus, die diesen Ort zu etwas sehr Besonderen gemacht haben.
Mein Dank gilt deshalb allen Menschen, die in diesen 31 Jahren Teil dieses Salons waren. Allen Kolleginnen und Kollegen, die hier gearbeitet haben. Allen jungen Menschen, die bei uns ihre Ausbildung gemacht und vielleicht genau hier ihren ersten Schritt in diesen wunderbaren Beruf getan haben. Menschen, die nur eine kurze Zeit geblieben sind, und Menschen, die uns über Jahrzehnte begleitet haben.
Und selbstverständlich gilt dieser Dank unseren Kundinnen und Kunden. Denjenigen, die irgendwann einmal bei uns waren. Denjenigen, die regelmäßig kamen. Und ganz besonders denen, die uns über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte bis heute die Treue gehalten haben. Für euch ist die Geschichte übrigens nicht zu Ende. Alle Stylistinnen aus der Hamburger Meile sind mit uns in die Hamburger Innenstadt gegangen und arbeiten ab sofort gemeinsam mit unserem Team am Ballindamm. Und für unsere Stammkunden aus der Hamburger Meile gibt es dort den Ballindamm-Pass: Bei euren ersten drei regulären Haarschnitt-Terminen ziehen wir jeweils 5 Euro vom bisherigen Preis ab. Denn unsere Preise waren in beiden Salons identisch – nur der Haarschnitt am Ballindamm ist im vergleich 5 Euro teurer. Das gleichen wir super gern aus.
Die Tür in der Hamburger Meile ist also geschlossen. Aber Nicolaisen geht weiter.
Und bevor wir wirklich zurückblicken, müssen Simona und ich jetzt erst einmal dafür sorgen, dass das nächste Kapitel genauso beginnt, wie wir es uns in den vergangenen Wochen und Monaten erarbeitet haben. Danach atmen wir durch. Und dann erzählen wir bestimmt noch ein bisschen mehr von diesen 31 Jahren.
Herzlich, Lars Nicolaisen
